22.11.2021

Time Use Week 2021 verabschiedet Barcelona-Deklaration

Im Oktober fand die Time Use Week 2021 (TUW) in Barcelona statt. Ziel war es, thematische Foren für den Austausch und die Diskussion wichtiger internationaler Akteure im Bereich der Zeitpolitik* zu etablieren. Im Rahmen der TUW 2021 fand zudem der 43. Jahreskongress der IATUR (International Association for Time Use Research) statt, an dem mehr als 200 Forschende aus der ganzen Welt teilnahmen. So auch Prof. Dr. Dietrich Henckel (ARL-Mitglied) und Prof. Dr. Caroline Kramer (Mitglied des Kuratoriums der ARL). Beide leiteten den abgeschlossenen ARL-Arbeitskreis „Zeitgerechte Stadt – Konzepte und Perspektiven für die Planungspraxis“

„Die Time Use Week hat der Zeitpolitik einen kräftigen Schub gegeben, der maßgeblich von dem Schwung getragen wurde, den das Organisations- und Veranstaltungsteam der Barcelona Time Use Initiative erzeugte“, so Dietrich Henckel. Dieser Schwung sei zudem durch den massiven politischen Rückhalt in der Stadtregierung von Barcelona und der Regionalregierung Katalonien befördert worden.

Die final verabschiedete und auch von der ARL unterzeichnete Barcelona Deklaration steht in mehreren Sprachen (Englisch, Französisch Spanisch, Catalan) zum Download bereit: https://www.timeuse.barcelona/barcelona-declaration-on-time-policies 

Folgende Punkte sind dabei aus zeitpolitischer Sicht und Forschung besonders bemerkenswert:

  • Das Recht auf eigene Zeit, das 2010 erstmals in einem Europarat-Dokument formuliert wurde, ist mittlerweile ein Kernbestandteil der Diskussion.
  • Ein bereits existierendes Netzwerk von europäischen Städten und Regionen zur Zeitpolitik (Local and Regional Governments Time Network), hat sich im Zuge der TUW neu formiert. Barcelona hat für die nächsten Jahre die Leitung des Netzwerks übernommen und ein konkretes Aktionsprogramm formuliert.
  • Der Vorschlag, eine Europäische Akademie für Zeitpolitik zu etablieren, fand auf der TUW breiten Zuspruch.
  • Es wurde deutlich, dass die Nachhaltigkeit von Wirtschaft, Umwelt und Gesellschaft, eine Lösung der Care-Krise, neue Ansätze der Stadtplanung, eine angemessene Work-Life-Balance, eine Reform des Bildungswesens, die Abschaffung der Uhrzeitumstellung auf Standardzeit nicht ohne Zeitpolitik zu haben sind.

Die aufgeführten Aspekte fanden in der Barcelona Declaration alle ihren Niederschlag. 

Die ARL unterstützt als eine der Einrichtungen, welche die „Barcelona Declaration on Time Policies“ erstunterzeichnet haben, die Bemühungen die Deklaration zu verbreiten und vor allem auch in deutschen Kommunen und Regionen bekannt(er) zu machen, damit diese sich künftig stärker mit zeitlichen Themen befassen und ggf. im Netzwerk engagieren, da dort bisher keine deutschen Städte vertreten sind.

Aktuelle Zeitpolitik* betrachtet soziale Ungleichheiten, aber eben nicht nur soziale Aspekte, sondern auch die zeitliche Struktur und Organisation der Gesellschaft und im raumwissenschaftlichen Kontext insbesondere die der Stadt. Überall erfahren die Menschen weitreichende zeitliche Umstrukturierungen, Beschleunigung und Zeitknappheit. Zeit und ihre persönliche Verfügbarkeit gewinnen somit zentral an Bedeutung. Insofern muss eine integrierte Stadtplanung zeitliche Dimensionen künftig explizit berücksichtigen: Was können Dimensionen von Zeitgerechtigkeit und Zeitwohlstand sein? Wie kann Zeitgerechtigkeit hergestellt werden? Welche Aufgaben entstehen für unterschiedliche Akteure? 

Fachliche Ansprechpersonen:

Prof. Dr. (em.) Dietrich Henckel 
Technische Universität Berlin
Tel. +49 30 393 45 30 (privat)
dietrich.henckel@tu-berlin.de

Prof. Dr. Caroline Kramer
KIT – Karlsruher Institut für Technologie
Tel. +49 721 60843728
caroline kramer@kit.edu