Call for Membership der Landesarbeitsgemeinschaft Bremen/Hamburg/Niedersachsen/Schleswig-Holstein zum Thema Planerische Steuerung der Krankenhausversorgung in Nordwestdeutschland

Die Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) Bremen/Hamburg/Niedersachsen/Schleswig-Holstein der ARL – Akademie für Raumentwicklung in der Leibniz-Gemeinschaft sucht engagierte Teilnehmerinnen und Teilnehmer für die Bildung einer neuen Arbeitsgruppe zum Thema „Planerische Steuerung der Krankenhausversorgung in Nordwestdeutschland“.
Die ARL versteht sich als ein interdisziplinäres Forum für Wissenschaft und Praxis, in dem raum- und planungsbezogenes Wissen im Dialog generiert, reflektiert und vermittelt wird. Sie erforscht Räume als Bedingung und Ausdruck gesellschaftlicher Praxis. Organisiert ist die ARL als Netzwerk von Fachleuten für Fragen der Raumentwicklung.

Thema und Problemaufriss

Krankenhäuser sind zentral für die Sicherung der Gesundheitsversorgung der Bevölkerung. Idealerweise sollen die vorgehaltenen Angebote qualitativ hochwertig und gleichzeitig wohnortnah gewährleistet werden. Jedoch haben elementare Strukturveränderungen die Situation der Krankenhausversorgung deutlich verändert. Dazu gehören demografische Entwicklungen, der medizinische Fortschritt, die Einführung des Fallpauschalensystems im Krankenhausbereich, die Öffnung der Krankenhäuser für die ambulante und integrierte Versorgung, begrenzte öffentliche Fördermittel und anderes mehr.
Erkennbar ist, dass die nordwestdeutsche Krankenhauslandschaft grundlegenden Anpassungsbedarf aufweist. Wunsch und Anspruch nach wohnortnaher Versorgung stehen zunehmend im Widerspruch zu gewachsenen Anforderungen an Qualität und Leistungsspektrum von Krankenhäusern – zumindest soweit die Grenzen der wirtschaftlichen Tragfähigkeit beachtet werden.
In vielen Fällen werden mindestoptimale Betriebsgrößen unterschritten. Dies führt nicht zuletzt zu einer sinkenden Wettbewerbsfähigkeit kleinerer Kliniken. Diese Entwicklung wird verstärkt und beschleunigt durch gestiegene Ansprüche von Patientinnen und Patienten an eine gute Versorgung. Weitgehend unstrittig ist, dass es einer weiteren Konzentration und Spezialisierung von Krankenhäusern bedarf, um deren Qualität und Wirtschaftlichkeit abzusichern. Dies geht häufig aber zulasten der wohnortnahen Grund- und Regelversorgung (einschl. Basisnotfallversorgung). Zudem hat sich das derzeitige Krankenhaussystem Deutschlands während der Covid-19-Pandemie im internationalen Vergleich bisher als äußerst leistungsfähig und krisensicher erwiesen.
Die aktuellen Entwicklungen im Krankenhaussektor sind von hoher Raumrelevanz. Die Krankenhausgesetze der Bundesländer Hamburg, Bremen, Niedersachsen und Schleswig-Holstein enthalten jeweils Raumordnungsklauseln, die jedoch auf planerischer Ebene unterschiedlich umgesetzt werden und mitunter nur geringe Steuerungswirkung entfalten. Zudem sind auch die Steuerungsansätze und -wirkungen im internationalen Vergleich von Interesse, insbesondere im Vergleich zum stark zentralisierten System Dänemarks und dem stark privatisierten Modell der Niederlande.

Ziel der Arbeitsgruppe

Ziel ist es, die bundesländerspezifischen Steuerungsansätze transdisziplinär zu vergleichen, zu bewerten und Weiterentwicklungserfordernisse aus planerischer Perspektive aufzuzeigen. In die vergleichende Analyse sollen auch die Strukturen der Krankenhausversorgung Dänemarks und der Niederlande einbezogen werden. Mit Blick auf die Praxis sollen bundesländerspezifische Empfehlungen als auch Empfehlungen zur grenzüberschreitenden Abstimmung erarbeitet werden. Mit Blick auf parallele Entwicklung in weiteren Bundesländern könnte zudem eine spezifische norddeutsche Position formuliert werden. Die
Handlungsempfehlungen sollen als praxisnahes Positionspapier, als Arbeitsbericht der ARL und / oder in Form begleitender Veröffentlichungen in Fachzeitschriften aufbereitet werden.

Die Arbeitsgruppe verfolgt folgende Forschungsfragen:

Ausgehend von einer Bestandsaufnahme der Diskussion zur Krankenhausversorgung und der länderspezifischen Strategieansätze erscheinen folgende Forschungsfragen von besonderem Interesse:

  • Welche Steuerungswirkung entfalten die unterschiedlichen Festlegungen in den Bundesländern Hamburg, Bremen, Niedersachsen und Schleswig-Holstein?
  • Wie ist eine Abkopplung der Standorte künftiger Zentralkliniken vom Zentralen-Orte-System aus Sicht der Raumordnung und Landesentwicklung zu bewerten? Welche Chancen und Risiken sind damit verbunden und welche Anforderungen wären an ein neues Standortsystem zu richten?
  • Welche gender- und zielgruppenspezifischen Aspekte sind bei der Neustrukturierung der Krankenhauslandschaft zu berücksichtigen?
  • Welche Möglichkeiten der sektorenübergreifenden Kooperation von stationären und medizinischen Angeboten sind denkbar, um die wohnortnahe Versorgung in ländlichen Räumen zu sichern?
  • Wie lassen sich Überkapazitäten an Landesgrenzen vermeiden? Welchen Beitrag kann die Raumordnung dabei leisten?
  • Inwieweit stellen die Krankenhaussysteme Dänemarks und der Niederlande geeignete Modelle für Nordwestdeutschland dar?

Die konkreten Schwerpunkte der Arbeitsgruppe werden gemeinsam in der ersten Sitzung festgelegt. Dabei werden die Interessen und fachlichen Schwerpunkte der Teilnehmenden berücksichtigt.

Organisation

Innerhalb der Arbeitsgruppe werden die Forschungsfragen arbeitsteilig bearbeitet und im Rahmen gemeinsamer Sitzungen erörtert. Es sind mehrere Sitzungen im Zeitraum von zwei Jahren vorgesehen. Zu speziellen Fragestellungen können weitere Experten, beispielsweise zur Krankenhausversorgung in den Nachbarländern, zur Beratung hinzugeladen werden. Das Ergebnis der Arbeitsgruppe soll im Rahmen einer fachöffentlichen Tagung vorgestellt werden. Die Leitung der Arbeitsgruppe liegt bei Dr. Stephan Löb (Raumordnung und Landesplanung, Niedersächsisches Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz). Reisekosten für die Treffen werden von der ARL erstattet.

Bewerbung

Der Call for Membership richtet sich an Vertreterinnen und Vertreter unterschiedlicher disziplinärer Zugänge (z. B. Stadt-/Raumplanung, Geographie, Politik- oder Verwaltungswissenschaften, Genderstudies, Gesundheitswissenschaften / Public Health etc.). Bewerbungen aus dem Kreis des Jungen Forums der ARL sind ausdrücklich erwünscht.
Wenn Sie sich angesprochen fühlen und Interesse an einer Mitarbeit in der Arbeitsgruppe haben, senden Sie uns bitte bis zum

10.09.2020

a) eine kurze Skizze (ca. 1.500–2.000 Zeichen inkl. Leerzeichen) Ihrer Arbeits- und Forschungsinteressen im Kontext der Arbeitsgruppe,
b) einen kurzen Lebenslauf (maximal eine Seite),
c) Sofern vorhanden, Angabe von bis zu drei thematisch relevanten Referenzen bzw. (auch unveröffentlichte) Arbeits- / Strategiepapiere oder Projekte, an denen Sie maßgeblich beteiligt waren.

Bitte senden Sie Ihre Unterlagen an Dr. Martin Sondermann und Vanessa Mena (E-Mail: mena@arl-net.de, Telefon: +49 511 34842-21). Für inhaltliche Nachfragen steht Ihnen Dr. Stephan Löb (stephan.loeb@ml.niedersachsen.de) gern zur Verfügung.

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