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Regionalplanung schultert Energiewende

Reflexion der Windenergieplanungen in Deutschlands Regionen

Die ARL-Regionalplanungstagung am 16. und 17. April 2026 in Würzburg bot ein wichtiges Forum für den ersten bundesweiten Fachaustausch zum Stand des Windkraftausbaus an Land

Zentrale Thesen und Erkenntnisse der Tagung im Überblick:

  • Eine Referentin spricht an einem Stehtisch mit Mikrofon vor einer großen Projektionsfläche während der ARL-Regionalplanungstagung. Auf der Leinwand ist die Titelfolie „Die Regionalplanung als treibende und gestaltende Kraft des Windenergieausbaus“ mit dem Veranstaltungsort Würzburg und dem Datum 16.–17. April 2026 zu sehen. Im Vordergrund steht ein großer bunter Blumenstrauß mit orangefarbenen Lilien, violettem Zierlauch und gelben Blüten.
    Nadine Kießling

    Die Regionalplanung setzt das 2 %-Flächenziel für Wind an Land erfolgreich um
    Dies erfolgt mit viel Motivation, Kreativität und demokratischer Abwägung und regional sehr unterschiedlich, d. h. angepasst an die räumlichen und gesellschaftlichen Bedingungen in den unterschiedlichen Landesteilen. Die Regionalplanung ist daher die richtige Akteurin, sie braucht aber Planungssicherheit und Stabilität bei der weiteren Ziel(um)setzung!

  • Positive Bewertung der 2022-2024 veränderten gesetzlichen Rahmenbedingungen
    Die Reformen in der Windenergieplanung werden insgesamt positiv bewertet, da die alte Rechtslage rechtssichere Regionalplanung zunehmend erschwert hat (siehe Priebs 2022: Neue rechtliche Rahmenbedingung für erneuerbare Energien und Regionalplanung).
     
  • Konkrete Flächenziele als erfolgreicher Steuerungsansatz
    Besonders positiv bewertet wird das Aufstellen von Flächenzielen: Der Bund setzt quantitative Vorgaben, die Länder brechen diese auf die Regionen herunter und stärken damit die Planung vor Ort. Der klare politische Auftrag bietet der Regionalplanung Rückendeckung und Handlungssicherheit.
     
  • Die Rolle der Regionalplanung als Beispiel funktionierender staatlicher Steuerung
    Gerade das Formulieren klarer quantitativer Ziele durch den Bund mit Umsetzung durch Länder und Regionen wird als erfolgreich bewertet und teilweise als Vorbild für andere Transformationsaufgaben verstanden.
     
  • Aber: Regionalplanung und auch die Planung der Energiewende ist kein rein technischer Vorgang
    Wissenschaftliche Reflexion und der Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis ist zentral, denn nur so wird die Reflexionsfähigkeit im laufenden Prozess erhalten: die Regionalplanung steuert den Ausbau räumlich und gesellschaftlich, sie muss auch innehalten und über Akzeptanz, Landschaftsbild, Biodiversität und den ökologischen und naturräumlichen Preis der Energiewende nachdenken und im Einzelfall abwägen.

Axel Priebs (Präsident der ARL) ordnete in seinem Einführungsvortrag (PDF) die Rolle der Regionalplanung für die gesamte Energiewende und weitere Aufgabenfelder ein. Wichtig sei die Anerkennung durch die Politik:

Ein Redner steht am Pult des Burkardushauses und hält einen Vortrag bei der ARL-Regionalplanungstagung. Im Hintergrund ist ein Ausschnitt der roten Veranstaltungstitelfolie zur Regionalplanung und zum Windenergieausbau zu sehen. Rechts neben dem Redner steht ein großer Blumenstrauß mit orangefarbenen, violetten und gelben Blüten.
Axel Priebs

Die Regionalplanung werde von der Politik als hilfreicher Problemlöser gesehen. Sie meistere für den Ausbau der Windenergie an Land gerade die wahrscheinlich größte Herausforderung ihrer Geschichte mit Bravour. Und diese Anerkennung sei wichtig, weil zahlreiche weitere Baustellen bestehen, auf denen die Regionalplanung gefordert ist. Zu nennen sind die vielen alten und neuen Flächenansprüche und -konflikte (u. a. Wohnen, Reindustrialisierung, Infrastrukturen) und neu zu treffende Abwägungen mit Blick auf Resilienz, was den Schutz vor Naturkatastrophen ebenso umfasst wie Landes- und Bündnisverteidigung.

Mit dem Fokus der Tagung auf die Windenergie wird die Energiewende nur ausschnitthaft angesprochen. Vielmehr funktioniere das Gesamtprojekt Energiewende nur als System, aber eine systemische Betrachtung erscheine weit entfernt. Und sowohl die isolierte Planung von Windenergie und Photovoltaik als auch der weitgehende Verzicht auf eine systematische Planung der Freiflächen-Photovoltaik erwiesen sich zunehmend als Schwachstellen bezüglich einer gemeinsamen Nutzung von Leitungen für Strom aus Wind- und Solarenergie.

Ein gravierendes Problem sei die weitgehend fehlende Abstimmung der Flächenausweisung in der Regionalplanung mit den Betreibern der Übertragungs- und Verteilnetze.

Netzausbau und Netzanbindung brauchen Dialogprozess

  • Energiewende integriert betrachten: neben Energieproduktion auch Leitungs- sowie Speicherinfrastruktur planerisch einbeziehen

Die begrenzte Netzkapazität schafft Probleme: Der Anspruch auf Abnahme des in der Anlage erzeugten Gesamtstroms kann häufig nicht erfüllt werden, etwa aufgrund eines unzureichend ausgebauten Netzes oder aufgrund von tages- oder jahreszeitlichen Spitzenproduktionen (sehr viel Wind, sehr viel Sonne).

Um die Engpässe im Netz und die Spannungsverhältnisse zwischen Flächenausweisungen und Netzausbau abzubauen, sollte der Netzausbau daher als Dialogprozess aller Akteure (Netzbetreiber, Anlagenbetreiber, Planung, Kommunen) gestaltet werden und ein Erfahrungsaustausch mit der Regionalplanung stattfinden.

Die Regionalplanung kann hierfür ihre Kompetenz und Erfahrung als Koordinatorin einbringen und als Bindeglied zwischen Netzbetreibern und kommunaler Umsetzungsebene wirken oder bei der Flächensuche für Umspannwerke unterstützen.

Der Dialogprozess zwischen Netzbetreibern und Regionalplanung wird aktuell auf verschiedenen Wegen unter Mitwirkung der ARL intensiviert, unter anderem im Austausch des Fachlichen ARL-Forum Regionalplanung mit dem Netzwerk10 (netzwerk10.de).

Akzeptanz der Flächenziele

Die Tagung hat gezeigt, dass es in Deutschland regional sehr große Unterschiede bei der Akzeptanz von Windenergieplanungen gibt. Diese wird u. a. davon beeinflusst, wie positiv der (ökonomische) Mehrwert für Kommunen und Bürgerinnen und Bürger von Windenergieanlangen im Verhältnis zu weiteren Belangen wie z. B. dem Schutz des Landschaftsbildes gewertet wird.

Podiumsdiskussion während der ARL-Regionalplanungstagung. Sechs Fachleute sitzen auf einer Bühne und diskutieren zum Thema „Beteiligungspraxis und Herausforderungen: Akzeptanz, Narrative“. Hinter ihnen zeigt eine Präsentationsfolie die Namen der Moderatorin und der Diskussionsgäste. Vor den Teilnehmenden stehen kleine Tische mit Wasserflaschen und Gläsern.
Fachdiskussion zum Thema Beteiligung und Akzeptanz (v. l. n. r. B. Zaunbrecher, S. Beuning, H. Büttner, S. Hauck, O. Weidlich und C. von Haaren)

Die regionale Verteilung der Flächenziele muss in diesem Kontext mitbetrachtet werden. Kontrovers diskutiert wurde, ob und wie bei der Verteilung der Flächenziele zwischen den Regionen noch stärker nach regionalen Potenzialen (Stichwort ‚Raumtalenten‘) differenziert werden sollte (die Bundesländer haben die Beitragswerte mit einer Spannweite von 0,0-4,0 % durchaus sehr unterschiedlich verteilt, wie die Karte 2 der Fachagentur Wind und Solar illustriert: https://www.fachagentur-wind-solar.de/veroeffentlichungen/interaktive-karten/flaechenbeitragswerte). Mit dem Ziel einer funktional-räumlichen Aufteilung kann zum Beispiel der Schutz von Ökosystemen in den einen Teilräumen als wichtiger bewertet werden, als einen Windpark zu realisieren, während in anderen Teilräumen ein Ausbau von Wind oder Solar räumlich leichter realisierbar ist und einen deutlich geringeren Eingriff in Natur und Landschaft darstellt. Hierfür bräuchte es – sofern die Flächenziele regionalisiert sind – eine angepasste Methodik, die die Expertise aus den Regionen schon in der Konzeptionsphase einholt und entsprechend berücksichtigt.

Ein großer Dank gilt allen Referentinnen und Referenten sowie Teilnehmenden der ARL-Regionalplanungstagung in Würzburg. Ebenso ist dem Vorbereitungsteam aus der ARL sehr zu danken: Prof. Dr. Susan Grotefels (ARL-Forum Planungsrecht), Manuela Hahn (ARL-Forum Regionalplanung), Dr. Nadine Kießling (ARL-Forum Baden-Württemberg), Prof. Dr. Axel Priebs (Präsident der ARL) und Oliver Weidlich (ARL-Forum Bayern).

Zum Weiterlesen:

 

Fachliche Ansprechperson in der ARL

Dr. Sebastian Krätzig
Leitung des Wissenschaftlichen Referats "Räumliche Planung und Politik
Tel. +49 511 34842 52
sebastian.kraetzig@arl-net.de