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Wohnen in Kleinstädten

Aktuelle Herausforderungen in Forschung und Praxis
Positionspapiere aus der ARL
ARL – Akademie für Raumentwicklung in der Leibniz-Gemeinschaft
Cover PP 161
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Verlag
Verlag der ARL
eISSN
1611-9983
DOI
https://doi.org/10.60683/z4qv-je63
Sprache
Deutsch
Band-Nr.
Positionspapier aus der ARL 161
Seiten
16
Erscheinungsdatum
pospapier_143.pdf (610.01 KB)

Das Wohnen in Kleinstädten ist ein blinder Fleck gesellschaftlicher und politischer Debatten. Bislang konzentriert sich die öffentliche, aber auch die wissenschaftliche Aufmerksamkeit stark auf Großstädte und Ballungsräume, dabei leben rund 30 Prozent der Bevölkerung in Deutschland in Kleinstädten. Sie spielen somit eine Schlüsselrolle für gleichwertige Lebensverhältnisse und eine nachhaltige Raumentwicklung. Gleichwohl bestehen aufgrund begrenzter Datenverfügbarkeit und fehlender empirischer Forschung erhebliche Wissenslücken, was Wohnungsmarktstrukturen und -entwicklungen sowie die Wohnbedürfnisse unterschiedlicher sozialer Gruppen und deren Wohnpraktiken betrifft. Pauschalisierende Vorstellungen, Kleinstädte verfügten über ausreichend bezahlbaren Wohnraum oder könnten als Entlastungsräume für Großstädte dienen, greifen zu kurz. Kleinstädte sind äußerst heterogen: Sie unterscheiden sich stark in Bezug auf Lage, funktionale Einbindung, wirtschaftliche Entwicklung, Wohnungsbestände und soziale Strukturen. Entsprechend vielfältig sind auch ihre wohnungspolitischen Herausforderungen. 

Auf der Basis aktueller Forschungsstände und gesellschaftlicher Entwicklungstendenzen identifiziert das Positionspapier vier zentrale Problemdimensionen:

  1. Ein auf wenige Wohnformen orientiertes Angebot trifft auf zunehmend ausdifferenzierte Wohnbedürfnisse. 
  2. Eigentumsdominierte Wohnungsmarktstrukturen stehen einem wachsenden Bedarf an Mietwohnraum gegenüber. 
  3. Das Leitbild der Innenentwicklung konkurriert mit fortgesetzter Flächenausweisung im Außenbereich. 
  4. Ein hoher Handlungsdruck trifft auf begrenzte personelle und finanzielle Ressourcen der Kommunen sowie ein geringes Problembewusstsein für eine aktive kommunale Wohnungsmarktpolitik. Für eine wirksame Politik- und Praxisberatung bedarf es fundierten empirischen Wissens. 

Zukünftige Forschung sollte daher insbesondere darauf abzielen:

  • kleinstädtische Wohnungsmärkte systematisch und vergleichend zu analysieren, insbesondere im Hinblick auf Angebots- und Eigentümerstrukturen, Mietmärkte und Segregationsmuster sowie Wohnbedürfnisse und Wohnpraktiken verschiedener Alters- und Sozialgruppen, 
  • typische Problem- und Handlungskonstellationen von Kleinstädten empirisch zu untersuchen, um lokale Wohnungsmarktdynamiken besser zu verstehen und differenzierte und spezifische Steuerungsansätze für Wohnungspolitik und Stadtentwicklung zu erarbeiten sowie 
  • praxisnahe Wissensgrundlagen für kommunales Handeln bereitzustellen, etwa zu Instrumenten der Bestandsaktivierung und Innenentwicklung, zur kommunalen Boden- und Gebäudepolitik sowie zu Governance- und Förderstrukturen unter Bedingungen knapper Ressourcen. 

Da viele kleinere Kommunen nur über geringe personelle und finanzielle Ressourcen verfügen, ist die Entwicklung praxistauglicher Werkzeuge in der Stadtentwicklungs- und Planungspraxis von besonderer Bedeutung. Vergleichende Analysen und Modellprojekte können dazu beitragen, wirksame Handlungsansätze zu identifizieren und sie auf unterschiedliche kleinstädtische Situationen zu übertragen.


This work is licensed under a Creative Commons Attribution-ShareAlike 4.0 International License.