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Wasser für wen? Wassergerechte räumliche Planung in der Klimakrise

Leitung:
Gala Nettelbladt,
Tino Petzold

In Deutschland wird das Wasser knapp. Mehrere Dürrejahre in Folge der Klimakrise bringen die Frage nach einem klimaresilienten und gerechten Umgang mit Wasser auch in Deutschland auf die Agenda. Der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung (WBGU) fordert in einem 2025 erschienenen Positionspapier ein „klimaresilientes Wassermanagement“, das lokal und flexibel umsetzbar sein soll. Die neue Wasserfrage drängt jedoch nicht nur aufgrund hydrologischer Knappheit, sondern verstärkt die Spannung zwischen ökologischen, ökonomischen und sozialen Belangen: So hängt die Umsetzung ambitionierter Klimaanpassungspolitiken von der finanziellen oder Personalausstattung von Verwaltungen ab. 

Das Ziel kostengünstiger und sozial gerechter Wasserversorgung kann im Widerspruch zu ökologischen Schutzanforderungen stehen. Gleichzeitig nehmen räumliche und sektorale Konflikte um Wasserversorgung und wasserwirtschaftliche Projekte zu. Dennoch ist Wasser bisher kein Thema, das von der räumlichen Gesamtplanung koordiniert, sondern sektoral bewirtschaftet wird. Vor dem Hintergrund der neuen Wasserfrage steht zunehmend die Forderung im Raum, dass Wasser zum Gegenstand einer integrierenden  räumlichen Gesamtplanung wird.

Mit dem Arbeitskreis „Wasser für wen? Wassergerechte räumliche Planung in der Klimakrise“ adressieren wir diese Leerstelle, indem wir die neue Wasserfrage in einer gerechtigkeitszentrierten Perspektive als Herausforderung der integrierten räumlichen Planung thematisieren. Ziel des Formats ist es, Herausforderungen, Konturen und Strategien einer wassergerechten räumlichen Planung herauszuarbeiten. So soll kritisches Wissen für eine wassergerechte integrative Governance im Sinne des Zusammenspiels von wasserwirtschaftlicher Fachplanung, Infrastrukturplanung und räumlicher Gesamtplanung erarbeitet werden. Folgende Herausforderungen sehen wir für eine Neuordnung der Verbindung dieser Handlungsfelder: 

  • Regionale Ungleichheiten: Der Klimawandel verschärft regionale Unterschiede in der Wasserverfügbarkeit (z. B. Wasserarmut in Nordostdeutschland/Franken). Zudem gefährdet er gleichwertige Lebensverhältnisse, etwa durch drohende Engpässe in der Wasserversorgung oder räumlich disparat steigende Wasserkosten. Gleichzeitig wirken wasserwirtschaftliche Maßnahmen (z. B. Wasserschutzgebiete) oft hemmend auf die Entwicklung peripherer Räume.
  • Ziel- und Nutzungskonflikte: Regionale Wasserknappheit verschärft lokale Ziel- und Nutzungskonflikte zwischen Landwirtschaft, Gewerbe, Siedlungsentwicklung und Naturschutz. Die Regional- und Landesplanung muss das Thema Wasserversorgung stärker berücksichtigen und dabei Fragen der räumlichen Gerechtigkeit (beispielsweise im Rahmen neuer Zentrum-Peripherie-Konflikte im Kontext von Fernwasserprojekten) aktiv adressieren.
  • Infrastrukturelle Transformationen: Veraltete Wasserinfrastrukturen, die den neuen Klimaverhältnissen nicht mehr gerecht werden, geraten unter erheblichen Anpassungsdruck. Zugleich sind finanzielle, personelle, aber auch politisch-partizipative Ressourcen oft begrenzt. Wasserplanung und -governance sind gefordert, gerechtigkeits- und gemeinwohlorientierte Ansätze zu entwickeln und vor Ort zu unterstützen.
  • Multi-Level-Governance: (Supra)nationale Vorgaben (z. B. WRRL, Resilienzstrategie, nationale Wasserstrategie) stellen neue Anforderungen an die Wasserplanung. Zugleich verlangen Ansätze wie das integrierte Wassermanagement eine stärkere Abstimmung mit der räumlichen Planung, da Flächennutzung und anthropogene Verschmutzungen die Wassergüte ebenso wie Wasseraufbereitungskosten erheblich beeinflussen. Die Wassergovernance benötigt neue Planungsmaßstäbe und sektorübergreifende Ansätze.

Diese vier Herausforderungen stehen stellvertretend für die mehrdimensionale Veränderung der Wasserverhältnisse und ihrer Bedeutung für die räumliche Gesamtplanung im Klimawandel. Den Veränderungen ist gemein, dass sie systematisch Gerechtigkeitsfragen – zwischen Regionen, Orten und Maßstabsebenen, zwischen gesellschaftlichen Gruppen und Interessen sowie zwischen Zielen und Belangen – aufwerfen.  

Ziele und geplante Ergebnisse

Vor diesem Hintergrund zielt der Arbeitskreis darauf, das Planungswissen, die Planungspraktiken und die Planungsinstrumente für eine wassergerechte Planung zu diskutieren und weiterzuentwickeln. Um die Leitplanken einer wassergerechten räumlichen Planung herauszuarbeiten, verbinden wir das Feld der Wasserfachplanung mit Fragen der räumlichen Gesamtplanung durch einen inter- und transdisziplinären Dialog. Dabei stehen u.a. folgende Fragestellungen im Zentrum:

  • Welche Zielkonflikte existieren bzgl. der Gestaltung einer klimaresilienten Wasserversorgung? Wie manifestieren sich diese und wie werden sie adressiert?
  • Welche Daten und welches Wissen sind für eine klimaresiliente Versorgung nötig und wie können diese bereitgestellt werden? Welche Anforderungen an Wasserbedarfs- und Wasserdargebotnachweise stellt die wassergerechte Planung?
  • Wie lassen sich Ansätze räumlicher Gerechtigkeit auf Wasserplanung und -governance übertragen? Welche Leitplanken, Strategien und Instrumente benötigt die Praxis? Welche Anforderungen an partizipative Planung ergeben sich aus dem Leitbild der Gerechtigkeit?  
  • Welche Stellung nehmen Großinfrastrukturprojekte wie Wasserüberleitungen, Talsperren oder Entsalzungsanlagen ein? Wie können die Potenziale des Grundsatzes des Vorrangs der ortsnahen Wassergewinnung (§50 Abs. 2 WHG), Techniken der Trinkwassersubstitution oder Kreislaufwirtschaft für eine wassergerechte Planung aktiviert werden?  
  • Welche Finanzierungsformen benötigt eine wassergerechte Governance? Welche Potenziale bieten bestehende Instrumente wie der Wassercent?
Aktuelles

Neuer ARL-AK "Wasser für wen?" wird Kennzeichen wassergerechter Planung herausarbeiten

Welche Herausforderungen birgt die neue Wasserfrage?

Wasserknappheit, Nutzungskonkurrenzen und Unsicherheit: Was noch vor wenigen Jahren als Ausnahme galt, wird zum Normalzustand der räumlichen Planung. Damit beschäftigte sich der neu gegründete ARL-Arbeitskreis „Wasser für wen? Wassergerechte räumliche Planung in der Klimakrise“ bei seinem Auftakttreffen am 9. und 10. April 2026 in Weimar. 

Call for Membership für neuen Arbeitskreis „Wasser für wen? Wassergerechte räumliche Planung in der Klimakrise“

Engagierte und fachlich versierte Mitglieder für den neuen Arbeitskreis zum Thema Wassergerechtigkeit gesucht.

Die ARL richtet einen neuen Arbeitskreis zur wassergerechten räumlichen Planung ein und sucht engagierte Expert:innen aus Wissenschaft und Praxis. Vor dem Hintergrund zunehmender Wasserknappheit und wachsender Konflikte um Wasserressourcen rückt die Frage in den Fokus, wie Wasser zu einem integralen Bestandteil einer gerechten und klimaresilienten räumlichen Planung werden kann.

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