Transformation als Herausforderung für politisch-administrative Praxis
Die Notwendigkeit eines grundlegenden Wandels spät-industrieller Gesellschaften erscheint aus Sicht wissenschaftlicher Erkenntnis unstrittig. Dagegen ist der praktische Weg dorthin, wenn nicht versperrt, so doch lang. Zum einen ist zu beobachten, dass Transformation nur sehr begrenzt und noch nicht gerecht umgesetzt wird. Zum anderen zeigen sich verstärkt retardierende, anti-transformative Tendenzen: Sobald Transformation konkret wird und spürbare Anpassungsleistungen erfordert, treten Widerstände auf – strukturell, operativ oder habituell. Zugleich verschärft sich die Konfliktdynamik, werden sozialräumliche Ungleichheiten vertieft, treten politische Barrieren auf. Technokratische Praktiken vergrößern die Kluft zwischen systemischer Problemanalyse und kleinteiliger Umsetzung.
Vor diesem Hintergrund ist unsere erste These, dass die politisch-administrative Praxis auf die Aufgabe einer Transformation noch nicht hinreichend vorbereitet ist. Dies gilt sowohl für Verwaltungen als auch für die politische Praxis. Die zweite These ist, dass sich neue horizontale Bündnisse wie beispielsweise das Festival „Creative Bureaucracy“, die Urbane Liga, das Netzwerk Immovilien e.V, Architects/Scientists for Future, oder Stadt Neudenken e.V. und viele andere professionalisieren. Sie entfalten nicht nur Impulswirkung für Planung und Politik, sondern bilden auch neue Aushandlungsarenen für administrative Praktiken, deren Wirkung für Akteure in Politik und Verwaltung systematisch zu erschließen ist. Während viele Auseinandersetzungen zur Transformation im räumlichen Kontext durch normative Ansätze geprägt sind, die sich stark an Leitbildern und Soll-Vorstellungen orientieren, liegt unser Fokus dagegen auf Fragen der Organisation und Implementation.
Ziele und geplante Ergebnisse
Die zwei Beobachtungsfenster – „science-policy“ und „science-administration“ – dienen uns als Ansatzpunkte für eine vertiefende Exploration der politisch-administrativen Praxis. Im Unterschied zu technologischen oder aber stark normativ geprägten Transformationsdiskursen ist es unser Ziel, die professionellen, politisch-administrativen Akteure selbst in den Fokus der Debatte zu rücken – nicht nur das zivilgesellschaftliche Umfeld.
Entsprechend soll sich der Arbeitskreis folgenden Fragestellungen widmen:
- Sind politisch-administrative Strukturen und Prozesse geeignet, mit Transformationserfordernissen und potenzialen konstruktiv umzugehen?
- Wo macht Transformation das Überschreiten von Handlungsgrenzen sowie die Verbindung unterschiedlicher Themen- und Handlungsbereiche sinnvoll bzw. notwendig?
- Welche transversalen Strukturen sind dazu erforderlich, die ggf. quer zu bestehenden gesellschaftlichen, politischen oder institutionellen Ordnungen verlaufen?
- Welche Strukturen und Prozesse könnten damit auch obsolet werden?
Die Bearbeitung dieser Fragen kann auch demokratietheoretische Impulse zur organisatorischen, politisch administrativen Einbettung von Politiken geben, die der Transformation im Sinne einer Gemeinwohlorientierung insgesamt dienen.
Es ist geplant, die Arbeitsergebnisse in einem Positionspapier und in verschiedenen, zielgruppenspezifischen wissenschaftlichen und praxisnahen Fachzeitschriften zu veröffentlichen. Ziel ist es, dabei sowohl eine breite wissenschaftliche Community (Raum- und Wirtschaftswissenschaften, Planungs-, Sozial-, Politik- und Nachhaltigkeitswissenschaft) als auch die Raum-, Planungs- und Verwaltungspraxis zu erreichen. Darüber hinaus sind Workshops oder Fachveranstaltungen, aber auch andere Formate wie Podcasts oder ähnliches, denkbar.
Transformation als Herausforderung für politisch-administrative Praxis
Mitglieder für den neuen ARL-Arbeitskreis „Transformation als Herausforderung für politisch-administrative Praxis“ gesucht.

