Braunkohlereviere als Transformationsräume
Der Ausstieg aus der Kohleversorgung stellt Braunkohleregionen vor grundlegende Herausforderungen. Bislang haben Politik und Verwaltung nur unzureichend auf den mit dem Ausstieg verbundenen Transformationsprozess reagiert. Dieses Projekt setzt innovative und transformative Impulse für den weiteren Prozess der Transformation in den Revieren.
Tiefgreifender Transformationsprozess durch Ausstieg aus Kohleversorgung
2018 wurde der Ausstieg aus der Kohleverstromung in Deutschland beschlossen, um die nationalen Klimaschutzziele im Rahmen des Pariser Klimaabkommens zu erreichen. Der Kohleausstieg bedeutet für die drei hauptsächlich betroffenen Regionen Rheinisches Revier, Mitteldeutsches Revier und Lausitzer Revier einen tiefgreifenden Transformationsprozess, der Wirtschaft und Arbeitsmärkte, aber auch das Handeln von Politik und Verwaltung sowie Lebensformen, Kulturen und Identitäten der regionalen Bevölkerung umfasst.
Mit dem Kohleausstieg ist die Ambition verbunden, weltweit beachtete „grüne“, weithin CO2-neutrale Industrieregionen zu schaffen, die für ein neues „postfossiles“ Verständnis von Wirtschaft, Arbeiten und Leben stehen sollen. Angesichts dieses Anspruches wäre zu erwarten, dass ausgesprochen innovative Ansätze der Strukturpolitik und räumlichen Planung für „Transformationsräume“ als Experimentierräume konzipiert würden, die planerisches und strukturpolitisches Handeln unter Unsicherheiten ermöglichen würden.
Mehr Erfahrungsaustausch und innovative Dialogformate
Faktisch steht aber bislang vor allem die Förderung von wissenschaftlichen Großprojekten (z.B. an der RWTH Aachen, am FZ Jülich, in Cottbus sowie zwei Großforschungszentren in Görlitz und Delitzsch) im Mittelpunkt. Zudem gibt es einzelne, eher zufällig wirkende wirtschaftliche Großinvestitionen (z.B. von Microsoft im Rheinland). Die in den Revieren geführten Leitbild-Debatten sind bislang von der Strukturpolitik kaum aufgegriffen worden.
Erfahrungen mit ca. drei Jahrzehnten kooperativer Regionalentwicklung aus anderen deutschen und europäischen Regionen wurden bisher weitgehend ignoriert. Vereinzelt wurden strategische, bislang aber nicht umgesetzte Ansätze entwickelt, welche die Herausforderungen der Transformation in den Revieren auch langfristig in den Blick nehmen; so zum Beispiel das Planungslabor Raumbilder Lausitz 2050 des IÖR und das Memorandum für eine Internationale Bau- und Technologie-Ausstellung (IBTA) im Rheinischen Revier.
Durchgeführte Fachtagungen haben eher den Charakter von Leistungsschauen, weniger von innovativen Dialog-Formaten. Trotz der extremen Unsicherheit über die langfristigen Entwicklungen in den Revieren – allein die Füllung der Tagebau-Restlöcher mit Wasser würde Jahrzehnte dauern und wirft viele ungeklärte Fragen auf – versuchen Politik und Verwaltung die Herausforderungen vor allem mit konventionellen Instrumenten zu bewältigen.
Ziel des Projekts: Innovative Ansätze stärken
Das Projekt thematisiert die bislang unzureichende Reaktion von Politik und Verwaltung in den Braunkohlenregionen auf die grundlegenden Herausforderungen der mit dem Kohleausstieg verbundenen Transformationsprozesse. Ziel ist es, innovative und transformative Impulse für den weiteren Prozess der Transformation in den Revieren zu setzen. Da sich die bisherigen Veranstaltungsformate weitgehend „erschöpft“ haben, sind zwei aufeinander aufbauende innovative Ansätze geplant:
- Drei halbtägige Stakeholder-Dialoge in den drei Braunkohlerevieren Lausitz, Mitteldeutsches Revier und Rheinisches Revier; diese Veranstaltungen werden durch künstlerische Interventionen eingeleitet bzw. begleitet (u.a. durch die Künstler:innen von Recherchepraxis e.V.), wodurch vorhandene Diskussionsroutinen aufgebrochen und ein innovatives Gesprächsklima erzeugt wird.
- Aufsuchende Politikberatung in den Revieren in Form vertraulicher individueller Gespräche mit Entscheidungsträgerinnen und -trägern
Das Projekt "Braunkohlereviere als Transformationsräume" wird durch Seed Money aus dem Leibniz-Lab „Umbrüche und Transformationen" im Zeitraum April 2026 bis März 2027 finanziert.

