Amprion Future Transmission Lab
Zwischen Akzeptanz und Widerstand: sozial-räumliche Aspekte des Netzausbaus
Um die Klimaziele zu erreichen und die Energiewende umzusetzen, ist der Aus- und Umbau der Höchstspannungsnetze („Netzausbau“) entscheidend. Der Netzausbau hängt zwar von technisch möglichen und ökonomisch tragbaren Lösungen ab, wird jedoch auch maßgeblich von gesellschaftlichen und politisch-planerischen Aspekten beeinflusst. Hier setzt das Forschungsprojekt an.
Wir untersuchen den Netzausbau aus sozial-räumlicher Perspektive und blicken auf die raumbezogenen Aspekte von Widerstand/ Protest sowie Akzeptanz/Trägerschaft des Netzausbaus. Denn obwohl die Energiewende gesellschaftlich breit akzeptiert ist, kommt es insbesondere auf lokaler und regionaler Ebene, also dort, wo sich das abstrakte Vorhaben der Energiewende räumlich manifestiert und sichtbar wird, zu Kontroversen über das „wie“ und „wo“. Das stellt die Gestaltung von Planungs- und Entscheidungsprozessen vor große Herausforderungen und verzögert den Netzausbau teils erheblich. Allerdings scheint Widerstand gegen den Netzausbau räumlich in ungleicher Weise ausgeprägt zu sein: Während sich in manchen Kommunen und Regionen starke Gegenpositionen herausbilden, die bis zu organisiertem Protest reichen, erfolgt der Netzausbau in anderen Regionen und Kommunen weniger konflikthaft oder sogar in aktiver Trägerschaft.
Zur Analyse und Erklärung dieser sozial-räumlichen Unterschiede mit Blick auf den Netzausbau werden in diesem Projekt unterschiedliche wissenschaftliche Ansätze herangezogen. Ziel ist, das Zusammenspiel aus Einstellung/Bewertung und Handlungen/Praktiken in raumbezogener Perspektive zu verstehen. Der in dem Projekt verfolgte Forschungsansatz ergänzt damit quantitative, oft datengetriebene Forschungsarbeiten zur Energiewende und legt einen bewussten Fokus auf ein interpretativ-verstehendes Vorgehen mit vorwiegend qualitativen Methoden zur Untersuchung der sozialen Raumproduktion.
Dazu gehen wir im Forschungsprojekt mehreren miteinander verbundenen Forschungsfragen nach.
- Zunächst wird betrachtet, wie sich raumbezogene Handlungsstrategien für/gegen den Netzausbau durch die Einbeziehung physisch-materieller und sozialer Aspekte überhaupt konzeptualisieren und untersuchen lassen.
- Darauf aufbauend richtet sich die Forschung empirisch auf konkrete Untersuchungsregionen. Dabei wird zunächst unter Beteiligung der zuständigen Abteilungen der Amprion untersucht, ob es regionale Schwerpunkte und räumliche Muster in der Handlungsorientierung gibt, also ob Unterstützung und aktive Trägerschaft oder Widerstand und Protest in bestimmten Regionen dominieren.
- In den so identifizierten Untersuchungsregionen soll dann der Frage nachgegangen werden, welche Bedingungen die Entstehung von Widerstand oder aktiver Trägerschaft begünstigen. Dabei wird auch der größere politische Hintergrund der Widerstände betrachtet und ob es politische Landschaften gibt, die sich entweder gegen die Energiewende und den Netzausbau richten oder diese aktiv unterstützen.
- Um die empirischen Ergebnisse an die Planungspraxis rückzubinden, soll schließlich noch untersucht werden, welche praxisrelevanten Schlussfolgerungen sich daraus ziehen lassen, wie Planungs- und Dialogprozesse gestaltet werden können aber auch, wie Regionen gestärkt werden können, um räumliche Widerstände zu minimieren und eine aktive Trägerschaft zu fördern, ohne dabei neue räumliche Ungerechtigkeiten zu schaffen oder bestehende zu verfestigen.
Projektdauer: 08/2024 – 07/2028
Förderung durch: Amprion
Mehr zum Future Transmission Lab: www.futuretransmissionlab.de
Future Transmission Lab – 4. Treffen des wissenschaftlichen Steuerkreises in der Geschäftsstelle der ARL
Am 19. November 2024 fand das vierte Treffen des wissenschaftlichen Steuerkreises des Future Transmission Lab in der Geschäftsstelle der ARL in Hannover statt. Im Rahmen dieses Treffens präsentierten Antje Bruns und Agnes Feil ihr Forschungsprojekt „Zwischen Akzeptanz und Widerstand: sozial-räumliche Aspekte des Netzausbaus“, das an der ARL und der Leibniz Universität Hannover angesiedelt ist.

