Rechenzentrumsentwicklung aus Sicht der Planungspraxis
Das ARL-Transferformat „Server und Rechenzentren als Infrastrukturen für die Digitalisierung“ konstituierte sich am 18. Dezember 2025. Ziel des Formats ist es, die steigende Bedeutung von Rechenzentren als zentrale Infrastrukturen der digitalen Transformation aus raumwissenschaftlicher und planungspraktischer Perspektive zu untersuchen sowie Handlungsempfehlungen für Politik, Planung und Verwaltung zu entwickeln.
Vor diesem Hintergrund fand am 18. Juni 2026 in Kassel der erste Workshop unter dem Motto „Rechenzentrumsentwicklung aus Sicht der Planungspraxis“ statt. Gemeinsam mit Expertinnen und Experten aus der kommunalen Planungspraxis und kommunalen Wirtschaftsförderung diskutierten die Teilnehmenden aktuelle Herausforderungen, Entwicklungstrends und Steuerungsmöglichkeiten der Rechenzentrumsentwicklung. Es gab Fachbeiträge von:
- Thomas Hickmann (Stadtplanungsamt Frankfurt am Main)
- Stadtbürgermeister Jochen Schmitt (Stadt Nierstein) zusammen mit Dipl.-Ing. Olaf Bäumer (STADT.QUARTIER)
- Elke Plate (Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen Berlin)
- Alfried Braumann (Wirtschaftsagentur Wien)
Im Fokus standen dabei Fragen einer raumverträglichen Entwicklung sowie die Rolle der Planung bei der Gestaltung der digitalen Infrastruktur.
Die Beiträge aus Frankfurt, Berlin und Wien sowie die Einblicke in die Entwicklung eines großen Rechenzentrumscampus in Nierstein haben besonders deutlich gemacht, dass Rechenzentren weit mehr sind als technische Gebäude. Sie sind hochgradig raumwirksame Infrastrukturen und haben als eine der zentralen Grundlagen der digitalen Transformation weitreichende Auswirkungen auf Städte, Regionen und die räumliche Entwicklung.
In den Diskussionen wurde deutlich, wie komplex die planerischen Herausforderungen sind. Themen wie Flächenbedarf, Energieversorgung, Abwärmenutzung, kommunale Wertschöpfung und Machtungleichgewichte der Akteure müssen zusammengedacht werden, um räumliche Entwicklungsprozesse aktiv zu gestalten. Gleichzeitig wurde deutlich, dass die Raumordnung und die kommunale Planung eine zentrale Steuerungsfunktion dabei einnehmen (sollten), die Chancen der Digitalisierung mit den Anforderungen einer nachhaltigen Raumentwicklung in Einklang zu bringen.
Mit Blick auf die weitere Arbeit des Transferformats wird der Dialog im Herbst mit Vertreterinnen und Vertretern von Rechenzentrumsbetreibern und Energieversorgern fortgesetzt. Ziel wird es sein, die unterschiedlichen Handlungslogiken der beteiligten Akteure zu verstehen und zusammenzuführen und fundierte Beiträge für eine nachhaltige, raumverträgliche und zukunftsorientierte Gestaltung dieser Schlüsselinfrastruktur zu erarbeiten.
Das Transferformat wird im Rahmen der ARL-Mission "Infrastrukturen" gefördert und von Prof. Dr. Antje Matern (Rheinland-Pfälzische Technische Universität Kaiserslautern-Landau) und Dr. Stefan Höffken (Berlin TXL Managment GmbH) geleitet.
Kontakt in der Geschäftsstelle der ARL
Dr. Sebastian Krätzig
Tel. +49 511 34842 52
sebastian.kraetzig@arl-net.de

