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Reaktivierung von Schienenstrecken – Vorgehensweisen und Instrumente in neun Bundesländern

Neues Positionspapier aus der ARL erschienen
Titelseite eines Positionspapiers der ARL – Akademie für Raumentwicklung in der Leibniz-Gemeinschaft. Titel: „Reaktivierung von Schienenstrecken in den Bundesländern – Zwischen Euphorie und Hindernissen“. Oben links das ARL-Logo, darunter der Hinweis: „Positionspapier aus der ARL 157“. Der untere Teil des Covers ist leuchtend gelb mit schwarzer Schrift.

Die Reaktivierung stillgelegter Schienenstrecken ist ein zentraler Baustein für eine nachhaltige Raumentwicklung und eine klimafreundliche Mobilität. Aber auch mit Blick auf resiliente Raum- und Infrastrukturen im Falle von Krisen und Konflikten wächst ihre Bedeutung.

In einem neuen Positionspapier analysiert ein Arbeitskreis der ARL – Akademie für Raumentwicklung in der Leibniz-Gemeinschaft die Vorgehensweisen und Instrumente in neun Bundesländern und zeigt systematische Unterschiede, Hemmnisse und Gestaltungsbedarfe auf.

Dabei werden sowohl qualitativ Instrumente und Verfahren als auch quantitative Kennzahlen verglichen. Erfasst wurde unter anderem die Anzahl potenzieller Strecken, die Zahl positiv bewerteter Machbarkeitsstudien und deren Relation zur Bevölkerungsgröße. Das Ergebnis ist ein differenziertes Bild: Baden-Württemberg, Schleswig-Holstein und Niedersachsen weisen ein vergleichsweise hohes Aktivitätsniveau auf, während Brandenburg, Thüringen und Bayern eine geringere Dynamik zeigen.

Besonders deutlich wird: Ein positives Gutachten allein garantiert noch keine rasche Umsetzung. Konkrete Projekte belegen, dass Vorhaben oft an formalen, finanziellen oder organisatorischen Barrieren scheitern. Planfeststellungsverfahren und fehlende Finanzierungsperspektiven führen immer wieder zu Verzögerungen. Zugleich fehlen in vielen Ländern strategisch angelegte Förderkonzepte, die Potenzialstrecken priorisieren und systematisch begleiten könnten.

Aus den Befunden leitet der ARL- Arbeitskreisklare Empfehlungen für die Landes- und Bundespolitik ab. Kernforderungen des Positionspapiers sind:

  • Die Regelung klarer Zuständigkeiten und eine höhere politische Priorität
  • Gesamtkonzepte der Landesnahverkehrsplanung
  • Schnellere und besser getaktete Planungsprozesse
  • Rechtliche Anpassungen zur Entbürokratisierung (insbesondere der Verzicht auf Planfeststellungsverfahren bei Reaktivierungen auf alten Trassen)
  • Monitoring und Förderbegleitung der Reaktivierungen

Das Positionspapier aus der ARL betont, dass einzelne Reaktivierungsvorhaben nicht isoliert betrachtet, sondern als Teil einer räumlich ausgewogenen und nachhaltigen Raum- und Verkehrsentwicklung verstanden werden müssen. Nur durch eine bessere Abstimmung von Planung, Finanzierung, Recht und politischer Prioritätensetzung lassen sich die Potenziale stillgelegter Strecken für den Klimaschutz, die regionale Erreichbarkeit, die wirtschaftliche Entwicklung und die Resilienz räumlicher Infrastrukturen heben.

Das Positionspapier aus der ARL 157„Reaktivierung von Schienenstrecken in den Bundesländern – zwischen Euphorie und Hindernissen“ (PDF) richtet sich an alle fachlich Interessierten und soll als Grundlage für Gestaltungsoptionen und politische Entscheidungen dienen.

Zitierempfehlung

ARL – Akademie für Raumentwicklung in der Leibniz-Gemeinschaft (Hrsg.) (2025): Reaktivierung von Schienenstrecken in den Bundesländern. Zwischen Euphorie und Hindernissen. Hannover. = Positionspapier aus der ARL 157.

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In einem ersten Positionspapier aus dem Jahr 2024 illustriert der ARL-Arbeitskreis das Potential von Schienennetz-Reaktivierungen als wichtigem Beitrag zur Orts- und Regionalentwicklung (Positionspapier aus der ARL 146).

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Fachliche Ansprechperson in der ARL

Dr.-Ing. Martin Sondermann
martin.sondermann@arl-net.de

Medienkontakt

Tanja Ernst

Tel. +49 511 34842-56
wiko@arl-net.de