21.03.2014 Annika Mayer

Räumliche Planung und Forschung nach 1945 – zwischen Technokratie und Demokratie

Tagung am 03. und 04. April 2014  in Bonn

Für die Zeit nach dem Wiederaufbau sind in Europa die Ausrichtung und die Konzepte von Raumplanung und Raumforschung, einschließlich ihrer langfristigen Folgen, nur ungenügend wissenschaftlich aufgearbeitet. Dieses Defizit verwundert angesichts der Relevanz und Wirkung historischer und heutiger Maßnahmen – in Deutschland und seinen Nachbarländern –, den gesellschaftlichen Raum offen und demokratisch planend zu gestalten. Regionaler und sozialer Ausgleich, Optimierung des Verkehrs, Wirtschaftsförderung zum Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit, Schaffung von Freizeitmöglichkeiten und schließlich Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen – zuletzt gebündelt im Konzept der Nachhaltigkeit – waren und sind nur einige planerische und politische Zielvorstellungen, die nach 1945 mit räumlicher Planung und Forschung verbunden werden.

Weithin offen ist jedoch auch heute noch, inwieweit und inwiefern Vorstellungen und Konzepte aus der NS-Zeit durch die Kontinuität von Institutionen und Personen die Realität von räumlicher Planung und Forschung prägten und sie dadurch vielleicht auch weniger offen und demokratisch gestaltet wurden.

Das Thema verdient daher – retrospektiv, aktuell und gerade auch mit kritischem Blick auf das tatsächlich Erreichte – eine viel intensivere und auch multidisziplinäre wissenschaftliche Betrachtung als bisher. Es gibt zahlreiche Anknüpfungspunkte, die auf der Tagung in der Zusammenarbeit von Fachpersönlichkeiten verschiedener sozial- und kulturwissenschaftlicher Disziplinen (besonders der Sozial- und Geschichtswissenschaften) und den damaligen und heutigen Expert(inn)en selbst erstmals thematisiert und debattiert werden sollen:

  • als zusammenfassende Wertung des bisher Angestrebten und Erreichten;
  • als typische Sozialtechnologien der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts;
  • und insbesondere auch als Gratwanderungen zwischen Expertenwissen und technokratischen Imperativen einerseits und Demokratie und Bürgerbeteiligung andererseits.