20.01.2013 Martina Hülz

LAG Hessen/Rheinland-Pfalz/Saarland stellt das Zentrale-Orte-Konzept auf den Prüfstand

Die 122. Sitzung der Landesarbeitsgemeinschaft Hessen/Rheinland-Pfalz/Saarland am 26. November 2012 in Mainz stand unter dem Thema: „Zentrale Orte auf dem Prüfstand: Herausforderungen für die Raumordnung“.

Prof. Dr. Ulrike Sailer, Universität Trier, begrüßte in ihrer Funktion als Leiterin der LAG neben den LAG-Mitgliedern auch zahlreiche Gäste. Anhand eines historischen Abrisses skizzierte sie sich abwechselnde Phasen der Popularität des Zentrale-Orte-Konzeptes (ZOK).

Die Beiträge der eingeladenen Referenten sowie die anschließenden Diskussionen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer stellten verschiedene Fragestellungen in den Mittelpunkt: Welche Funktionen übernimmt das ZOK heute? Wie ist das Verhältnis von Steuerungsanspruch und Steuerungswirkung? Wie steht es um die Hierarchie der Zentralen Orte – sind sie eher Funktionscluster oder Verflechtungsbereiche? Was macht einen Zentralen Ort heute noch aus?

Prof. Dr. Stefan Greiving von der TU Dortmund, der in der LAG Nordrhein-Westphalen die Arbeitsgemeinschaft (AG) „Neuaufstellung des Zentrale-Orte-Konzepts in Nordrhein-Westfalen“ leitet, stellte mit seinem Vortrag „Neue Überlegungen zu Zentrale-Orte-Konzepten in Deutschland“ vor. Er bilanzierte, dass das mittlerweile 80 Jahre alte ZOK nach wie vor bedeutsam für die Raumentwicklung in Deutschland ist und in modifizierter Form auch heute noch einen wesentlichen Beitrag zur nachhaltigen Raumentwicklung leisten kann. Die Steuerungswirkung des ZOK hängt dabei maßgeblich von der Koordination mit raumrelevanten Fachplanungen ab. Die Fortschreibung des ZOK sollte zudem zur Initiierung von intergemeindlichen Kooperationen genutzt werden.

Der zweite Referent des Tages war Dr. Gerd Rojahn, Ministerium für Wirtschaft, Klimaschutz, Energie und Landesplanung Rheinland-Pfalz. Er ist Leiter der AG „Ausstattungsprofile Zentraler Orte unter veränderten Rahmenbedingungen – das Beispiel von Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland“. Rojahn zog zunächst eine Bilanz der letzten 50 Jahre ZO-Diskussion in Deutschland, indem er verschiede Treiber, die zur Anpassung des Konzeptes v. a. an gesellschaftliche Veränderungen geführt haben, vorstellte. Er ging u. a. auf Schwierigkeiten bei der Kategorienbildung zentralörtlicher Einrichtungen im Konzept ein, womit sich auch die Arbeitsgruppe beschäftigt.

Matthias Furkert, Doktorand der Universität Trier, präsentierte das ZO-Konzept und erste Ergebnisse seines Dissertationsvorhabens, bei dem er die Leistungsfähigkeit der Zentralen Orte am Beispiel Rheinland-Pfalz analysiert. Seine Arbeit ist im Wesentlichen in drei Analyseschritte strukturiert: a) Bestandsaufnahme des Status-quo, b) Identifikation kritischer Mittelbereiche durch eine Gegenüberstellung von Ausstattung und Nachfrage bzw. Einwohnerzahl und eine Prognose zum Themenfeld Bildung und Gesundheit, c) Ableitung von Restrukturierungsvarianten.

Welche Besonderheiten im Hinblick auf Zentralität im grenzüberschreitenden Kontext herrschen, veranschaulichte der Vortrag von Dipl.-Geogr. Andrea Hartz, agl, Saarbrücken, und Dr. Andrea Chlench, Ministerium für Inneres und Sport des Saarlandes, Landesplanung. Am Beispiel Luxemburg und seines Grenzraums nach Frankreich, Deutschland und Belgien sind es vor allem Verkehrsprobleme, die aufgrund von Berufspendlern entstehen. Aber auch zunehmende Wohnbebauung in Grenznähe und daraus resultierende Versorgungsströme können und müssen in grenzüberschreitenden Plänen und Konzepten zusammen gedacht werden. Der Vortrag zeigte einige Beispiele auf, z. B. den Datensatz zu den Entwicklungszentren und Zentralitätsmustern im urbanen System der Großregion, der derzeit im Rahmen des INTERREG-Projektes GIS-GR erarbeitet wird.

Dipl.-Geogr. Stefan Germer von der Planungsgemeinschaft Westpfalz stellte in der Rubrik „Neues aus Wissenschaft und Praxis“ den Verein ZukunftsRegion Westpfalz e.V. vor. Er ging hier insbesondere auf die Kooperationsstrukturen der Region Westpfalz mit ihren Nachbarräumen ein.

Mit dem abschließenden Vortrag „Landesarbeitsgemeinschaften als zentrale Säule der ARL-Struktur“ blickte Prof. Dr.-Ing. Dietmar Scholich, Generalsekretär der ARL, auf seine 35-jährige Tätigkeit in der ARL zurück. Er betonte, dass die LAG Hessen/Rheinland-Pfalz/Saarland in den vergangenen Jahren viel geleistet hat und sich mit mannigfaltigen interessanten und relevanten Themen auseinandergesetzt hat. In zahlreichen Veröffentlichungen wurden grundlegende und regionsspezifische Fragestellungen aufgearbeitet. So war die LAG eine der ersten, die sich dem Thema Klima- und Energiewandel gewidmet hat. Scholich bedankte sich für die geleistete Arbeit und die Unterstützung und motivierte die LAG, ihre Arbeit so fortzusetzen.