Forum Gewerbeflächen und Unternehmensansiedlung“ der IHK Erfurt
Die IHK Erfurt hat den ARL-Vizepräsidenten Markus Hesse als Experten zum diesjährigen bundesweiten „Forum Gewerbeflächen und Unternehmensansiedlung“ am 4. und 5. September 2025 nach Erfurt eingeladen.
Anlass für die Einladung bildeten der Ad-hoc-Arbeitskreis „Güterverkehr, Logistik und Raumentwicklung“ der ARL und das dort erarbeitete Positionspapier aus der ARL 154 (PDF), das den planerischen Handlungsbedarf in diesem Kontext adressiert. Aus ganz Deutschland nahmen rund 30 Vertreter:innen der Industrie- und Handelskammern sowie der Wirtschaftsförderung an diesem Forum teil. Themenschwerpunkte der Vorträge, des Austauschs und der Diskussion waren u. a. Trends in der Gewerbeflächenentwicklung, Strategien der Unternehmensansiedlung, regionale Kooperationsmodelle, internationale Aspekte der Flächenvermarktung und raumordnerische Perspektiven.
ARL-Vizepräsident Prof. Dr. Markus Hesse (Universität Luxemburg, Dept. für Geographie und Raumplanung) war als Wissenschaftler eingeladen, in seinem Vortrag das Thema „Logistik im räumlichen Kontext: Standortfragen, Raumwirksamkeit und Planungsstrategien“ aufzuspannen. Mit Blick auf Praxisfragen und planerische Schlussfolgerungen wurden einige Ergebnisse des Ad-hoc-Arbeitskreises bzw. des Positionspapiers aus der ARL 154 mit Fachleuten aus der Gewerbeentwicklung diskutiert.
Inhaltlich herrschte bei den Teilnehmenden Übereinstimmung mit Blick auf eine zentrale Forderung aus dem Positionspapier, Fragen der Funktionalität und Raumverträglichkeit von Logistik systematisch und – soweit möglich – gleichberechtigt zu behandeln. Nach Ansicht vor allem der lokalen IHK-Vertretungen ist dagegen derzeit das größte Problem, dass neue Logistikansiedlungen durch die Bevölkerung kaum noch toleriert würden; in Reaktion auf die öffentliche Meinung würden sich auch politische Entscheidungsträger:innnen zunehmend kritisch zu dieser Nutzung verhalten. Damit würden die Bedingungen für gewerbliche Entwicklung insgesamt massiv eingeschränkt. Flächensicherung und -ausweisung entwickeln sich demnach zur größten Herausforderung bei der Standortsuche für Logistikunternehmen.
Die Wahrnehmung der Logistik als „störende“ Nutzung resultiert allerdings auch aus Umfeld- und Umwelteffekten, die aus dem Strukturwandel der Logistik selbst hervorgehen. Die Rationalisierung der Lagerhaltung im Speditionsgeschäft sowie die Konzentration der Umschlagfunktion der Logistik an wenigen, aber immer größeren Standorten erzeugen Konflikte, zugleich treffen die wachsenden Transportmengen auf ohnehin schon überlastete Verkehrsnetze. Auch die Ermüdung vieler Brückenbauwerke dürfte mit dem Anstieg des Schwerverkehrs zusammenhängen.
Eine kurzfristige Lösung für diese Konflikte ist nicht in Sicht. Über eine zukunftsfähige Ausgestaltung von Gewerbegebieten sowie regional- und landesplanerische Festsetzungen hätte die räumliche Planung aber das Rüstzeug, um sowohl das Funktionsproblem der Logistik anzugehen als auch ihre Verträglichkeit zu verbessern. Dies steht mit Blick auf langfristige Herausforderungen wie Klimawandel und Klimaanpassung ohnehin auf der Agenda. Das vorhandene Instrumentarium muss pro-aktiv genutzt werden, aufgrund der erwartbaren Konflikte ist die Praxis auf maximale politische und kommunikative Unterstützung angewiesen.

