Chancen und Herausforderungen des Managements von Kleingewässern
Welche sozialökologischen Konsequenzen folgen aus Veränderungen der Wasserverfügbarkeit und -qualität? Wie verändern sich Nutzungsweisen und Schutzanforderungen, und welche Konflikte resultieren daraus? Diesen und weiteren Fragen widmete sich der Workshop „Social Waters – im sozialwissenschaftlichen Dialog“ am 17. und 18. Oktober 2025 an der Friedrich-Schiller-Universität Jena.
Für die ARL nahm Dr. Ricardo Kaufer an dem Workshop teil. Er stellte erste Ergebnisse aus dem Forschungsprojekt POUNDER (Pollution in Urban Ponds – Eco-evolutionary Dynamics and Ecosystem Resilience) vor, dass von der Leibniz-Gemeinschaft gefördert und vom Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) und der ARL bearbeitet wird. Gemeinsam mit Dr. Germán Joosten und Dr. Barbara Warner befasst sich das ARL-Projektteam mit der Einbindung von Stakeholdern sowie der Entwicklung von Zukunftsszenarien und Handlungsempfehlungen für das Management von Berliner Kleingewässern.
Ricardo Kaufer stellte die theoretische Perspektive des ARL-Teams innerhalb des POUNDER-Projekts vor und erläuterte die methodische Vorgehensweise. Zugleich diskutierte er mit den Teilnehmenden über die Chancen und Herausforderungen des Managements von Kleingewässern für die Berliner Stadtpolitik.
Er wies auf schwierige Rahmenbedingungen, wie fiskalische Herausforderungen, fragmentierte Zuständigkeiten der Berliner Verwaltung, den Bedarf sozialökologischer Forschung und die vergleichsweise geringe sozioökonomische Bedeutung von Kleingewässern hin, aber vor allem auch darauf, dass das Thema in der Stadtentwicklung bisher vernachlässigt worden sei. Auf der Grundlage von Interviews mit Fachleuten, die Germán Joosten in Berlin durchgeführt hat, und gestützt auf die Ergebnisse einer eigenen Dokumentenanalyse, die rund 600 Dokumente mit Bezug zum Management von Kleingewässern in Berlin auswertet, hielt er fest, dass das Management von Kleingewässern bisher wenig Priorität in der Berliner Politik genossen habe, die politischen Parteien im Berliner Senat und die Zivilgesellschaft mittlerweile aber deutlich auf die Wichtigkeit der Kleingewässer für eine nachhaltige Stadtentwicklung hinweisen würden. Das zunehmende Bewusstsein für die Chancen und die Notwendigkeit des Managements von Kleingewässern falle allerdings mit politischen Einsparungen zusammen. So deuten aktuelle Diskussionen im Berliner Senat darauf hin, dass der Berliner Senat der Verwaltung ein Sparprogramm auferlege, in dessen Rahmen beim Masterplan Wasser und bei der Umsetzung der Schwammstadt, beim Kleingewässerprogramm, beim Berliner Energie- und Klimaschutzprogramm BEK 2030 und beim Berliner Programm für nachhaltige Entwicklung 2, kurz Bene 2, gespart werden solle. Das würde insbesondere die Bezirke betreffen, die hauptsächlich für das Management der Kleingewässer zuständig sind. Das ergaben auch die fachlichen Interviews, in welchen die primäre Zuständigkeit der Bezirke für die Kleingewässer häufig genannt wurde.
Insgesamt wurde deutlich, dass Kleingewässer einer größeren öffentlichen und politischen Aufmerksamkeit bedürfen. Zugleich zeichnete sein Vortrag nach inwiefern eine sozialökologische Perspektive im Rahmen der Stakeholder-Beteiligung, welche durch die ARL ermöglicht wird, dazu beitragen kann, innovative Problemlösungen für das Management von Kleingewässern zu entwickeln.
Mehr zum POUNDER-Projekt : Pollution in urban ponds, eco-evolutionary dynamics, and ecosystem resilience

