19.02.2018 Manja Hangebruch

Call for Papers: Temporäre räumliche Nähe – Akteure, Orte und Interaktionen

Call for Papers für das Schwerpunktheft der Zeitschrift "Raumforschung und Raumordnung | Spatial Research and Planning"

In wissensbasierten Ökonomien beruht die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen insbesondere auf deren Fähigkeit, neues Wissen zu erzeugen und dieses mit externen Partnern auszutauschen. Lange Zeit wurden in der Raumforschung vor allem permanente Agglomerationen verschiedener Akteure – wie zum Beispiel regionale Cluster – und ihre Rolle für den Austausch von Wissen betrachtet. Dabei wurde ausdrücklich die Vielfalt und Vielzahl potenzieller Interaktionspartner als wichtiger Vorteil für das Zustandekommen von Innovationen hervorgehoben. Jüngere Arbeiten haben gezeigt, dass der Austausch von Wissen nicht zwangsläufig räumliche Nähe voraussetzt. Speziell Arbeiten zu Field Configuring Events oder temporären Clustern legen nahe, dass Akteure aus entfernten Standorten oft nur kurzfristig an bestimmten Orten – meist innerhalb von Städten – zusammenkommen und die zwischen ihnen hergestellte temporäre räumliche Nähe für den Austausch von Wissen und darauf aufbauende Innovationsprozesse nutzen. Beispiele für derartige temporäre Settings sind Konferenzen, Ausstellungen, Tagungen und internationale Leitmessen. Doch auch Werkstätten als Orte der Co-Creation oder der Zusammenarbeit in Projekten kann in diesem Zusammenhang eine bedeutende Rolle erwachsen.

Während die Forschung zu temporären Formen des Wissensaustausches in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen hat, ist nach wie vor noch nicht hinreichend erforscht, unter welchen Bedingungen Akteure von temporärer räumlicher Nähe profitieren, welche Orte sich zur Durchführung temporärer Settings anbieten und wie derartige Orte bewusst geschaffen bzw. gestaltet werden können. Ziel des Schwerpunktheftes ist es daher, den Forschungsstand zum Wissensaustausch in temporärer Nähe aufzubereiten und ausgewählte temporäre Akteurkonstellationen und ihre Bedeutung für betriebliche bzw. regionale Entwicklungsprozesse zur Diskussion zu stellen.

Konkret steht die Beantwortung nachfolgender und ähnlicher Fragen im Vordergrund:

  • An welchen Orten finden organisierte Treffen zum Austausch ökonomisch relevanten Wissens – insbesondere in Städten – statt und auf der Grundlage welcher Kriterien werden diese Orte ausgewählt?
  • Wie können Maßnahmen getroffen werden, um Interaktionen in temporären Räumen zu intensivieren?
  • Welche Funktion haben die Akteure in ihren Unternehmen und wie genau tragen die Akteure zum Wissenstransfer über geographische Distanzen bei?
  • Welche Beweggründe veranlassen Akteure, temporäre Nähe herzustellen?

Beiträge, die zur Beantwortung dieser oder ähnlicher Fragen beitragen können, sind willkommen. Insbesondere werden begrüßt:

  • Fallstudien zu räumlichen Ankerpunkten ökonomisch relevanter temporärer Interaktionen (z. B. zu Messen, Ausstellungen, Konferenzen, Hotellobbys)
  • Empirische Arbeiten zu relevanten Akteuren (z.B. internationale Geschäftsreisende) und zum Wechsel zwischen technikbasiertem Austausch und Face-to-face-Treffen
  • Konzeptionelle Überlegungen zu temporären Zusammenkünften im Spannungsfeld von Nähe und Distanz
  • Arbeiten, die Handlungsempfehlungen für kommunale Wirtschaftsförderungen erarbeiten, wie Orte temporärer räumlicher Nähe gestaltet werden können, sowie
  • Arbeiten, die methodische Fragen im Zusammenhang mit der Analyse temporärer räumlicher Räume diskutieren, z. B. Feldzugänge

Wichtige Informationen

Dieser Call for Papers für ein Schwerpunktheft in der Zeitschrift „Raumforschung und Raumordnung | Spatial Research and Planning“ lädt interessierte Wissenschaftlerinnen/Wissenschaftler und Praktikerinnen/Praktiker ein, einen Beitrag zu den vorgenannten oder ähnlichen Fragestellungen einzureichen. Die Beiträge durchlaufen das übliche Begutachtungsverfahren.

Das Einreichen der Manuskripte ist möglich bis zum 30. September 2018 über die Webseite der Zeitschrift.

Bitte beachten Sie auch die Autorenhinweise des Springer-Verlages.

Es ist vorgesehen, das Begutachtungsverfahren bis voraussichtlich Anfang 2019 abzuschließen; die Beiträge erscheinen voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte 2019.

Für inhaltliche Rückfragen oder die Diskussion von Ideenskizzen oder Entwurfsfassungen stehen Prof. Dr. Sebastian Henn und Jun.-Prof. Dr. Anna Growe zur Verfügung, für organisatorische Fragen die Schriftleitung der Zeitschrift, Prof. Dr. Andreas Klee und Prof. Dr. Heiderose Kilper.