18.02.2021

Call for Membership zum Thema „Alternatives Wirtschaften – Abkehr von der Wachstumsgesellschaft“

Die ARL – Akademie für Raumentwicklung in der Leibniz-Gemeinschaft versteht sich als ein interdisziplinäres Forum für Wissenschaft und Praxis, in dem raum- und planungsbezogenes Wissen im Dialog generiert, reflektiert und vermittelt wird. Sie erforscht Räume als Bedingung und Ausdruck gesellschaftlicher Praxis. Organisiert ist die ARL als Netzwerk von Fachleuten für Fragen der Raumentwicklung.

Für die neue Arbeitsgruppe

„Alternatives Wirtschaften – Abkehr von der Wachstumsgesellschaft“

der Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) Hessen/Rheinland-Pfalz/Saarland der ARL werden Teilnehmerinnen und Teilnehmer gesucht.

Die grundlegende Idee der neu einzurichtenden Arbeitsgruppe (AG) ist, alternative Wirtschaftsweisen in Beziehung zu räumlicher Planung und Entwicklung zu setzen. Dabei sollen postwachstumsökonomische Konzepte, Initiativen, Projekte und Wirtschaftsformen in den Blick genommen werden, die sich explizit vom vorherrschenden, an materiell-quantitativen Indikatoren orientierten Wachstumsparadigma abwenden. Zudem soll das Verständnis von „Wirtschaft“ erweitert werden, indem neben formal verfassten, nach Marktprinzipien agierenden Unternehmen auch Formen der sozialen und solidarischen Ökonomie sowie andere private (z. B. häusliche Pflege) und kommunitäre (z. B. Nachbarschaftshilfe, Tauschringe) Aktivitäten einbezogen werden. Diese Aspekte sollen auch im Kontext der Covid-19-Pandemie und der damit verbundenen Unsicherheiten und Veränderungen diskutiert werden.

Die Arbeitsgruppe soll sich inhaltlich mit beobachtbaren gesellschaftlichen Veränderungen und Trends anhand konkreter Projekte und Initiativen in Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland befassen. Der Fokus liegt auf gemeinwohlorientierten Ansätzen und ihrem Beitrag zu gesellschaftlichem Wohlstand und sozialer Gerechtigkeit im Handlungsfeld der räumlichen Planungspraxis. Diese Themen wurden noch einmal stärker durch die Covid-19-Pandemie in den Fokus der gesellschaftlichen Debatte gerückt. Ungeklärt ist, welche mittel- und langfristigen Impulse sich daraus für die Stärkung gemeinwohlorientierter Ansätze ergeben und welche Rolle die politische (Planungs-)Praxis dabei spielt. 

Folgenden Leitfragen soll in der AG nachgegangen werden:

  • Welche Initiativen und -projekte für ein alternatives (postwachstumsorientiertes) Wirtschaften gibt es im LAG-Gebiet (z. B. Upcycling, Reparatur-Cafés, Urban Gardening, Leerstandsumnutzung, Postwachstums-Tourismus)?
  • Inwieweit ist alternatives Wirtschaften in einer Wachstumsgesellschaft möglich bzw. was für eine gesellschaftliche Bedeutung und Tragweite haben diese Ansätze und Projekte?
  • Welche Impulse zum Umdenken und Veränderungsdynamiken haben sich durch die Covid-19-Pandemie gezeigt?
  • Inwieweit trägt alternatives Wirtschaften zu gesellschaftlichem Wohlergehen und sozial-ökologischer Gerechtigkeit bei bzw. begünstigt Exklusion und Verdrängung?
  • Inwieweit stehen alternative Wirtschaftsansätze im Widerspruch oder sind produktive Ergänzung zu Paradigmen und Praktiken der räumlichen Planung?
  • Was sind die Selbstverständnisse und Rollen von Planerinnen und Planern? Inwieweit befördern diese alternatives Wirtschaften bereits?

Verbindung Praxis und Wissenschaft 

Alternatives Wirtschaften ist bisher einerseits durch zahlreiche v. a. zivilgesellschaftliche Initiativen bereits gelebte Praxis und wird andererseits als ein akademischer Diskurs geführt. Anspruch der Arbeitsgruppe ist es, Akteure aus der administrativen Planungspraxis aktiv in die Diskussion miteinzubeziehen, um die aufgeführten Fragen im Dialog zwischen Zivilgesellschaft, Planungspraxis und Wissenschaft zu bearbeiten.

Kooperationen und Einbindung weiterer Akteure

Kooperationsmöglichkeiten innerhalb der ARL bestehen einerseits zum AK Postwachstumsökonomien (Leitung: Prof. Dr. Christian Schulz) sowie zum Jungen Forum NRW in den Themenbereichen Postwachstumsgesellschaft und Postwachstumsplanung (Viola Schulze Dieckhoff, Christian Lamker, Sebastian Bohnet). Außerhalb der ARL könnten Kontakte zu Postwachstumsinitiativen im LAG-Gebiet und darüber hinaus aufgebaut werden und diese über 1 bis 2 Workshops bzw. Gast-Teilnahme an Sitzungen in die inhaltliche Arbeit der AG eingebunden werden.

Ziele und geplante Ergebnisse

Als Ergebnis wird – in Abstimmung mit den Mitgliedern der AG – eine gemeinsame Veröffentlichung mit konkreten Handlungsempfehlungen für die verschiedenen lokalen und regionalen Akteure angestrebt. Die AG-Mitglieder können ihre persönlichen fachlichen Schwerpunkte in den Artikeln bearbeiten, wobei gleichzeitig gemeinsame Ergebnisse angestrebt werden, um ihre Arbeit sichtbar zu machen.

Organisation

Der Call richtet sich im Fokus an Fachleute, deren beruflicher Schwerpunkt in einem der drei Länder der LAG liegt. Für die Arbeitsgruppe kommen bis zu 10 Expertinnen/Experten aus Hochschulen, außeruniversitären Forschungseinrichtungen bzw. Fachleute aus der Planung, der Verwaltung, aus Verbänden, Kammern, der Wirtschaft sowie zivilgesellschaftlichen Einrichtungen infrage. In zwei Treffen pro Jahr werden, auf den Interessensschwerpunkten potenzieller Mitglieder aus Wissenschaft und Praxis beruhend, aktuelle Entwicklungen und Herausforderungen beleuchtet, diskutiert und zielorientiert aufgearbeitet. Die Laufzeit der AG beträgt insgesamt zwei Jahre.

Die Leitung der Arbeitsgruppe wird Prof. Dr. Antje Bruns (Universität Trier) übernehmen.

Reisekosten für die Treffen werden seitens der ARL erstattet.

Bewerbung

Wenn Sie sich angesprochen fühlen und Interesse an einer Mitarbeit haben, senden Sie uns bitte bis zum 

01.04.2021

Ihre schriftliche Bewerbung per E-Mail zu. Diese sollte beinhalten:

  • eine Skizze (max. 5.000 Zeichen ohne Leerzeichen) mit Ihren inhaltlichen Anknüpfungspunkten, eigenen Kompetenzen (ggf. eigenen Publikationen) und beruflichen Erfahrungen zu den dargestellten inhaltlichen Anforderungen;
  • einen Lebenslauf (max. 2.500 Zeichen ohne Leerzeichen).

Bitte senden Sie Ihre Unterlagen an Vanessa Mena (mena@arl-net.de). Sowohl Dr. Martina Hülz also auch Prof. Dr. Antje Bruns stehen Ihnen für Nachfragen gern zur Verfügung.

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