22.04.2013 Annika Mayer

Call for Membership: Planung für gesundheitsfördernde Stadtregionen

Für einen neuen Arbeitskreis der ARL zum Thema Planung für gesundheitsfördernde Stadtregionen werden Teilnehmerinnen und Teilnehmer gesucht.

Die Mitglieder des zukünftigen Arbeitskreises werden sich dem Thema und seinen Teilaspekten aus raum- und gesundheitswissenschaftlicher Perspektive und aus der Perspektive der räumlichen Politik und Planungspraxis widmen. Die Leitung des Arbeitskreises wird Prof. Dr.-Ing. Sabine Baumgart (TU Dortmund) übertragen.

Problemstellung

Lebenswerte und somit auch gesunde Städte sind ein zentraler Bestandteil einer nachhaltigen räumlichen Entwicklung. Gesundheit war im 19. Jahrhundert eine wesentliche Triebfeder für die Herausbildung des modernen Städtebaus (z. B. Stadthygiene mit der Bekämpfung von Krankheiten und Epidemien). Auch die städtischen Reformbewegungen (z. B. Gartenstadt) waren wesentlich von der Idee gesunder Lebensverhältnisse inspiriert. Der Städtebau hatte damals einen engen Bezug zur Gesundheit des Menschen, der in den letzten Jahrzehnten jedoch zunehmend aus dem Blickfeld verschwunden ist.

Angesichts wachsender gesundheitlicher Ungleichheit in Quartieren, Städten und Stadtregionen gilt es das Thema Gesundheit wieder verstärkt in der Stadtentwicklung zu berücksichtigen. Die Zunahme der sozialen Ungleichheit zeichnet sich nicht nur in Bezug auf das Bildungs-, Einkommens- und Wohlstandsniveau ab, sondern auch mit Blick auf die gesundheitliche Lage. Mit der wachsenden Konzentration von Armutsbevölkerung in (benachteiligten) Stadtquartieren nimmt die gesundheitliche Benachteiligung der Einwohner zu. Wie bei der sozialen bauen sich auch bei der gesundheitlichen Ungleichheit die positiven und negativen Effekte bzw. Potentiale über den gesamten Lebensverlauf auf („vulnerable“ Bevölkerungsgruppen). Die Bearbeitung von Fragen der sozialen Ungleichheit bei Gesundheit wird auch im Konzept Umweltgerechtigkeit gefasst und liefert einen klaren Bezug zum Leitbild einer nachhaltigen räumlichen Entwicklung.

Der demografische Wandel führt darüber hinaus zu einem starken Zuwachs von höher- und hochbetagten, dauerhaft hilfebedürftigen, häufig multimorbiden Menschen, wodurch der sozial- und gesundheitspolitische Handlungsbedarf in Zukunft auf allen politisch-administrativen Ebenen stark zunehmen wird. Hierbei wird menschliche Gesundheit im Sinne der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als Zustand des körperlichen, psychischen und sozialen Wohlbefindens und nicht (nur) als bloße Abwesenheit von Krankheit verstanden.

Des Weiteren führen verschiedene räumliche Situationen und Umweltrisiken auch im 21. Jahrhundert in Deutschland noch zu ungesunden Wohn-, Arbeits- oder Freizeitbedingungen. Hier geht es zum einen um schleichende Risiken (Luftbelastung) und zum anderen um Extremereignisse (Hitze, Überflutung).

Forschungskonzept und Forschungsziele

Der Arbeitskreis widmet sich einer Betrachtung auf der stadtregionalen, der städtischen und der Ebene von Quartieren. Die inhaltliche Ausrichtung zielt zunächst auf eine Sachstandsanalyse zum Stand der Forschung zu Wirkungen städtischer Situationen (Settings) auf menschliche Gesundheit ab. Einerseits sollen gesundheitsfördernde Elemente räumlicher Planung (wie der Planung und Erhaltung von Grünflächen, Bewegungsmöglichkeiten) betrachtet werden, andererseits ist auch eine Auseinandersetzung mit gesundheitsbelastenden Aspekten wie Hitzestress, Luft- und Lärmbelastungen sowie Mehrfachbelastungen im Bestand vorgesehen. Dies umfasst die Einbeziehung von Akteursnetzwerken und Partizipationsformen räumlicher Planung und Public Health, die bisher nur wenig Berührungspunkte zeigen. Nicht vorgesehen ist eine vertiefende Befassung mit Qualitätsstandards der gesundheitlichen Versorgung in der Stadtregion und im Quartier (z. B. raumbezogene Bedarfszahlen für ärztliche Versorgung, Pflegeeinrichtungen).

Vor diesem Hintergrund wird Bedarf gesehen an einer Darstellung und Analyse bestehender Instrumente (Gesamt- und Fachplanungen, Rahmenbedarfsplanung, Genehmigungs- und Planfeststellungsverfahren sowie Programme und Projekte). Synergien und Konflikte mit den Zielen der Gesundheitsförderung und der Verfahrensgerechtigkeit (Umweltgerechtigkeit, Innenentwicklung und Nachverdichtung, Anpassung an den Klimawandel) sollen identifiziert werden. Auf dieser Grundlage können Anregungen zur instrumentellen Weiterentwicklung und ggf. neue Möglichkeiten räumlicher Planung zur Gesundheitsförderung (Fachplan ggf. Fachbeitrag Gesundheit, Einbeziehung des Setting-Ansatzes) erarbeitet werden. Hierbei sollen auch private und öffentliche Finanzierungsmöglichkeiten einbezogen werden, um die Motivation kommunal agierender Akteure zur Übernahme dieser freiwilligen Aufgaben erhöhen zu können. Als Grundlage für Wirkungsanalysen wird die Entwicklung von gesundheitsbezogenen Beurteilungskriterien angestrebt.

Ebenso ist es eine Zielsetzung des Arbeitskreises den fachlichen Austausch in diesem Themenbereich zu verbessern. Dies betrifft insbesondere die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen räumlicher Planung und Public Health, aber auch den transdisziplinären Austausch mit Praktikerinnen und Praktikern aus verschiedenen staatlichen, kommunalen, privaten und wohlfahrtsorientierten Institutionen. Zu diesem Zweck wird die Erarbeitung eines Glossars zentraler Begriffe v. a. aus den Planungs- und Gesundheitswissenschaften angestrebt, da vielfach unterschiedliche Begriffsverständnisse vorherrschen, bspw. bei dem Begriff Umwelt.

Bedeutung für die Raumplanung

Gesundheitsförderung ist seit jeher ein zentrales Anliegen räumlicher Planung und ihrer Instrumente. Dies drückt sich in übergeordneten Leitbildern über die Daseinsvorsorge bis hin zu gesetzlichen Vorschriften in Genehmigungsverfahren aus. Beiden Politikbereichen – räumlicher Planung wie auch Public Health – liegen der Präventionsgedanke und eine ganzheitliche Herangehensweise zugrunde. Dennoch wird das Potential planerischer Instrumente für gesunde Wohn- und Lebensverhältnisse bisher nicht ausgeschöpft. In den letzten Jahren haben jedoch die Gesundheitswissenschaften mit ihrem Public Health-Ansatz zunehmend räumliche Zusammenhänge mit in die Betrachtung genommen. Im internationalen Kontext ist derzeit eine große Dynamik im Feld Umwelt- und Verfahrensgerechtigkeit zu beobachten. Auch von Seiten der Praxis wird auf die benannten Missstände bereits mit verschiedenen Programmen und Projekten reagiert. Es wird nun angestrebt, die inter- und transdisziplinären Konzepte aus Raum- und Gesundheitswissenschaften mit ihren Synergiepotentialen auf stadtregionaler und städtischer sowie auf Ebene des Quartiers innovativ zusammen zu führen.

Vorgehensweise

Die Mitglieder des Arbeitskreises kommen zwei- bis dreimal jährlich zusammen, um die Erkenntnisse und Fortschritte der gemeinsamen Arbeit zu diskutieren. Die angestrebten Forschungsergebnisse werden zu Beginn gemeinsam abgestimmt. Die Mitglieder tragen aktiv durch eigene Beiträge zum Thema bei. Die gemeinsame Arbeit umfasst sachliche und räumliche Schwerpunktsetzungen. Es können Fallstudien und auch internationale Vergleiche herangezogen werden. Bei Bedarf besteht die Möglichkeit, weitere Expertinnen und Experten zu Vorträgen einzuladen und/oder Workshops zu organisieren. Schriftliche Beiträge werden vor einer Veröffentlichung doppelblind begutachtet. Die Reisekosten zu den Arbeitskreissitzungen werden nach dem Bundesreisekostengesetz erstattet.

Bewerbung

Da die hier angesprochenen Arbeitsschwerpunkte ein inter- und transdisziplinäres Zusammenwirken erfordern, kommen als Mitglieder des Arbeitskreises vor allem Angehörige von Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen sowie Akteure der kommunalen und regionalen Verwaltung jeweils aus den Bereichen räumliche Planung, Public Health oder Sozialmedizin, Geographie und Soziologie infrage. Wenn Sie sich – auch als Nachwuchswissenschaftler/ in – angesprochen fühlen und Interesse an einer Mitarbeit im Arbeitskreis haben, würden wir uns sehr freuen, wenn Sie bis zum

17. Juni 2013

eine Bewerbung einsenden. Die Bewerbung (max. 5000 Zeichen ohne Leerzeichen, zwei DIN A 4-Seiten) soll das Interesse an der Mitwirkung im Arbeitskreis begründen und den Bezug zu den eigenen Kompetenzen und beruflichen Erfahrungen darstellen. Zudem bitten wir um einen kurzen beruflichen Lebenslauf (max. 2500 Zeichen ohne Leerzeichen, eine DIN A 4- Seite) und die Nennung Ihrer max. fünf wichtigsten Arbeiten zum Thema (Publikationen, Projekte). Alle Bewerberinnen und Bewerber erhalten spätestens bis zum 31.08.2013 eine Zu- oder Absage über ihre Aufnahme in den Arbeitskreis.

Bitte senden Sie Ihre Bewerbung an Anne Ritzinger (Akademie für Raumforschung und Landesplanung (ARL), Referat Bevölkerung, Sozialstruktur, Siedlungsstruktur, Hohenzollernstraße 11, 30161 Hannover, Tel. 0511 34842-23, ritzinger@arl-net.de), die zuständige Referentin in der Geschäftsstelle der ARL.

Für inhaltliche Rückfragen steht auch die künftige Leiterin des Arbeitskreises, Prof. Dr.-Ing. Sabine Baumgart (Technische Universität Dortmund, Fakultät Raumplanung, Fachgebiet Stadt- und Regionalplanung, August-Schmidt-Straße 10,  44227 Dortmund, Tel. 0231 755-2259, sabine.baumgart@tu-dortmund.de), zur Verfügung.