09.05.2018

Call for Membership: Jahrhundertaufgaben – Blockade oder Entwicklung von Räumen durch aufgelassene Flächen

Die Akademie für Raumforschung und Landesplanung (ARL) erforscht die Wirkungen des menschlichen Handelns in den Bereichen Wirtschaft, Soziales, Ökologie und Kultur auf räumliche Strukturen und Entwicklungen, um deren nachhaltige Entwicklung zu fördern. Als ein disziplinübergreifendes Netzwerk von Fachleuten aus Wissenschaft und Praxis gibt sie mit ihren Forschungsergebnissen der Wissenschaft neue Impulse und erbringt wissenschaftlich fundierte Beratungsdienstleistungen für Politik und Verwaltung. Dies wird durch themenzentrierte, inter‐ und transdisziplinär zusammengesetzte Arbeitsgremien auf unterschiedlichen räumlichen Ebenen gewährleistet.

Für eine neue Arbeitsgruppe der Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) Berlin/Brandenburg/ Mecklenburg-Vorpommern der ARL mit dem Titel Jahrhundertaufgaben Blockade oder Entwicklung von Räumen durch aufgelassene Flächen werden Teilnehmerinnen und Teilnehmer gesucht. Die Arbeitsgruppe wird von Dr. Andreas Heinrich, 2. Beigeordneter der Stadt Prenzlau, und von Markus Hennen, Bruckbauer & Hennen GmbH, Jüterbog, geleitet.

Thematik

Jahrhundertaufgaben beziehen sich insbesondere auf riesige Militärbrachen. So hatte beispielsweise das heutige Bundesland Brandenburg bis zur politischen Wende 1989 den höchsten Anteil an Militärflächen. Rund 8% der Landesfläche waren bis dahin ausschließlich von bewaffneten Organen genutzt. Seither ist ein Großteil dieser Flächen unter teils erheblichem Aufwand in eine Nachnutzung überführt worden. Da inzwischen 90% dieser vom Bund ins Landeseigentum übernommenen Flächen veräußert sind, entsteht der Eindruck, dass das Thema Konversion weitgehend abgeschlossen ist. Doch es geht in Brandenburg noch immer um solche Flächen mit insgesamt mehr als 10.000 ha. In aller Regel handelt es sich dabei um besonders problembehaftete Areale. Der Kostenaufwand für Entwicklung und Vermarktung wird eingeschränkt auf Flächen mit „erhöhtem Handlungsbedarf“ auf mehr als 43 Millionen EURO (Rückbau, Altlastensanierung) ermittelt. Die bisherige ausführliche wissenschaftliche wie praktische Befassung mit Konversionsflächen im klassischen Sinne greift an diesen Orten nicht.

Deshalb zählen wir zu den besonders problembehafteten Arealen:

  • Truppenübungsplätze kontaminiert mit Munition, Kampfmitteln und sonstigen Altlasten
  • Wertvolle aber langjährig leerstehende und marode Gebäude- und Flächenensembles, die unter Denkmalschutz stehen.
  • Areale im peripheren Raum oder/und mit planungsrechtlichen Restriktionen und/oder Nachfragedefiziten.

Die Bedeutung des Themas ergibt sich aus der volkswirtschaftlichen, historischen und Ressourcen bezogenen Perspektive: Sanierungs- und Entwicklungskosten, Verfügbarkeit von Reserveflächen für neue bauliche Nutzungen, erneuerbare Energien oder den Naturschutz. Das Thema wird politisch als weitgehend erledigt oder als nicht mehr lösbar angesehen. Es ist zu hinterfragen, woran das liegt. Sind dafür Defizite in der wissenschaftlichen Bearbeitung und Lösungssuche der Grund? Oder sind es unklare Zuständigkeiten, der mangelnde Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis oder die finanzielle Unterausstattung der Gebietskörperschaften, die davon betroffen sind? Mangelt es lediglich an Innovationskraft oder daran, dass angesichts demografisch ausgedünnter Räume neue Partizipationsprozesse entwickelt werden müssten?

Ausrichtung und Zielsetzungen der AG

Ziel ist es,

  • Areale anhand eines systematischen, gemeinsam zu erarbeitenden Kriterien-Rahmens darzustellen,
  • Erfahrungen aus erfolgreichen Prozessen auch andernorts oder aus anderen Bereichen, z.B. im Zusammenhang mit „Bergbaufolgelandschaften“ darzulegen,
  • mittel- bis langfristige Lösungsansätze, z.B. im Zusammenhang mit der Energiewende, zu erarbeiten.

Arbeitsweise

Die künftige Arbeitsgruppe kann sich auf der Grundlage der Kostenübernahme durch die ARL (gemäß Bundesreisekostengesetz) ca. zweimal im Jahr bei einer Laufzeit von zwei Jahren in gemeinsamen Sitzungen beraten. Die Einbindung weiterer relevanter Akteure lässt sich durch Gastreferenten und ggf. durch Workshops realisieren.

Ergebnisse

Die Ergebnisse sollen zielgruppenorientiert (Praxis/Wissenschaft) aufbereitet werden. Mögliche Produkte sind zum einen gemeinsame praxisorientierte Publikationen, z.B. in Form einer Broschüre „Ratgeber Konversion“ (Arbeitstitel), eines Positionspapiers oder eines Forschungs-/Arbeitsberichts der ARL. Zum anderen sind Beiträge in referierten (internationalen) Zeitschriften vorstellbar. Die Entscheidung über die Publikationsstrategie obliegt der künftigen Arbeitsgruppe.

Bewerbung

Dieser Call richtet sich im Wesentlichen an Fachleute, deren beruflicher Schwerpunkt in einem der drei Bundesländer der LAG liegt. Als Mitglieder der Arbeitsgruppe kommen Angehörige von Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen sowie Fachleute aus Planungsstellen, der Verwaltung, aus Verbänden, Kammern, der Wirtschaft und zivilgesellschaftlichen Institutionen und Organisationen infrage. Bewerbungen sind von Mitgliedern und Gästen der LAG Berlin/Brandenburg/Mecklenburg-Vorpommern ebenso willkommen wie von Nicht-Mitgliedern.

Wenn Sie Interesse an einer Mitarbeit in der Arbeitsgruppe haben, würden wir uns sehr freuen, wenn Sie bis zum 29. Juni 2018 eine kurze Skizze (max. 2.000 Zeichen ohne Leerzeichen), die Ihre eigenen Kompetenzen und beruflichen Erfahrungen zu den o.a. inhaltlichen Anforderungen aufzeigt, und einen kurzen Lebenslauf (max. 1.000 Zeichen ohne Leerzeichen) an folgende Adresse senden: gustedt@arl-net.de.

Weitere Informationen

Inhaltliche und organisatorische Fragen zum Call for Membership und zur ARL-Arbeitsgruppe der LAG richten Sie bitte an:
Dr.-Ing. Evelyn Gustedt (Tel. 0511 34842-29) und/oder
Markus Hennen (Tel. 03372 433-244)