05.02.2021

Ad-hoc-Arbeitskreis der ARL veröffentlicht Positionspapier zu Pandemie und Raumentwicklung

Der Ad-hoc-Arbeitskreis „Pandemie und Raumentwicklung“ der ARL – Akademie für Raumentwicklung in der Leibniz-Gemeinschaft unter der Leitung von Akademie-Präsidentin Prof. Dr. Sabine Baumgart setzt sich seit Juni 2020 mit den Auswirkungen der SARS-CoV-2-Pandemie auf Städte und den ländlichen Raum auseinander. Der Arbeitskreis bringt die Expertise von Persönlichkeiten aus Raumentwicklung und Raumplanung, Öffentlichem Gesundheitsdienst, Epidemiologie/Public Health und Ökonomie sowie Sozialwissenschaften zusammen. Im aktuellen Positionspapier gibt der Arbeitskreis Handlungsempfehlungen für Kommunen und Einrichtungen der Länder, des Bundes sowie der EU für einen nachhaltigen Umgang mit schwer prognostizierbaren Ereignissen wie der Corona-Pandemie.

„Wir fragen uns in der Raumentwicklung,“ erläutert Prof. Sabine Baumgart die Arbeit im Arbeitskreis, „was der Lockdown für die Versorgung von unterschiedlichen Räumen – ganz egal ob Großstadt oder kleines Dorf – bedeutet. Welche Einrichtungen der Mindestversorgung von Menschen müssen dauerhaft dringend erreichbar bleiben? Wo funktioniert das gut und warum?“ Die Mitglieder des Arbeitskreises stellen im Positionspapier klar, dass die Corona-Pandemie in einem größeren Rahmen betrachtet werden muss, nämlich im Kontext des Umgangs mit Risiken. Dieser Forderung folgend, stellen sie vier Handlungsprinzipien vor, mit denen den zuständigen Verwaltungen der Schritt von einer Krisenbewältigung zu einer Krisenvorsorge gelingen könnte. Die Mitglieder des Arbeitskreises adressieren Kommunen, die Bundesländer, Bundesministerien und die Europäische Union mit konkreten Handlungsempfehlungen.
 
Die Herausforderung für die Raumentwicklung besteht darin, dass langfristig angelegte Strukturen, wie das medizinische Versorgungssystem einer Region, auf Unvorhersehbares, beispielsweise eine Pandemie, antworten können muss. Dabei ist es dringend notwendig, dass die umorganisierten Versorgungssysteme in Städten und auf dem Land die Resilienz der Region unterstützen, nachhaltig sind und bestehende Ungleichheiten in den Lebensverhältnissen der Menschen abschwächen, oder zumindest nicht weiter verstärken. Wichtig ist auch, dass die Risiko- und Daseinsvorsorge ein zentraler Bestandteil in einer solchen Weiterentwicklung der Versorgungssysteme ist. Die COVID-Pandemie führt allen vor Augen, dass eine Krisenbewältigung allein nicht wirkt und eine strategische Vorsorge nötig ist. Bei einem solchen Prozess ist das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger in die Verwaltungen, aber auch der Austausch der zuständigen Einrichtungen untereinander zentral, weswegen ein kooperatives und integratives Vorgehen ein weiteres wichtiges Handlungsprinzip ist.

Zwar sieht der Arbeitskreis dringenden Handlungsbedarf, betont aber auch, dass föderale und dezentral organisierte Gesundheitssysteme, wie beispielsweise das deutsche, aufgrund ihrer höheren Flexibilität im Vorteil gegenüber zentralistisch organisierter Systeme sind: Der Austausch von Informationen und Daten sowie der Wechsel von Zuständigkeiten machen diese Systeme sehr viel weniger anfällig für Überlastungen und Zusammenbrüche. Der Arbeitskreis nutzt das ARL-Positionspapier, um aus den bislang vorliegenden wissenschaftlichen Erkenntnissen und den empfohlenen Handlungsprinzipien konkrete raumbezogene Handlungsempfehlungen für die beteiligten Akteure zu formulieren.

Das ARL-Positionspapier 118 SARS-CoV-2-Pandemie: Was lernen wir daraus für die Raumentwicklung? des Ad-hoc-Arbeitskreises Pandemie und Raumentwicklung ist auf der Website der ARL unter dem folgenden Link abrufbar: https://shop.arl-net.de/media/direct/pdf/pospapier/pospapier_118.pdf.