01.12.2013 Andreas Klee

86. Mitgliederversammlung der ARL in Kassel

Am 14. und 15. November 2013 trafen sich die Mitglieder der Akademie für Raumforschung und Landesplanung (ARL) zu ihrer jährlichen Mitgliederversammlung in Kassel. Wie üblich, standen die Berichterstattung des Präsidenten sowie eine Reihe von Wahlen auf der Tagesordnung. Großen Raum nahmen mehrere Fachvorträge von Akademiemitgliedern ein, die das derzeitige Arbeitsspektrum der ARL aufzeigten.

Zu Beginn berichtete Prof. Dr. Michael Krautzberger über Neuerungen im Bau- und Umweltrecht. Hierbei ging er insbesondere auf die vorgesehenen Novellierungen im Baugesetzbuch und in der Baunutzungsverordnung ein. Dazu zählen beispielsweise die Stärkung der Innenentwicklung in den Städten und Gemeinden, verbesserte Steuerungsmöglichkeiten bei der Ansiedlung von Vergnügungsstätten, der erleichterte Umgang mit sogenannten „Schrottimmobilien“ sowie die neue Darstellungsmöglichkeit von „zentralen Versorgungsbereichen“. Schließlich wies Krautzberger auch auf Änderungen im städtebaulichen Außenbereich hin, die insbesondere Betriebe mit intensiver Tierhaltung betreffen.

Berichte aus den Arbeitskreisen

Drei Arbeitskreise stellten ihre Ergebnisse bzw. Zwischenergebnisse vor. Prof. Dr. Martin T. W. Rosenfeld berichtete über den Arbeitskreis „Koordination raumwirksamer Politik“, der die Politikkoordination in den Bereichen der Raumentwicklungspolitik und regionalen Strukturpolitik sowie in der Umweltpolitik und -planung untersucht, und zwar insbesondere auf der kommunalen und regionalen Ebene. Hierbei geht es u. a. um folgende Forschungsfragen: „Sind die in den relevanten Rechtstexten genannten Koordinationsvorgaben im Bereich der Politik zur Entwicklung ländlicher Räume und deren Umsetzung in Deutschland effizient?“, „Eignet sich der Ansatz des ‚Akteurzentrierten Institutionalismus‘ zur Untersuchung der Koordination in der Raumordnung?“ oder „Wie werden Probleme bei der Koordinierung der Flussgebietsbewirtschaftung bewältigt?“

Prof. Dr. Hubert Job stellte den Arbeitskreis „Biodiversität und nachhaltige Landnutzung in Großschutzgebieten“ vor. Der Arbeitskreis untersucht am Beispiel von Großschutzgebieten (Nationalparke, Biosphärenreservate, Naturparke), wie Biodiversität im Kontext konkurrierender Raumnutzungsansprüche sichergestellt werden kann. Er befasst sich unter anderem mit Konfliktmustern in unterschiedlichen Schutzgebieten, der Akzeptanz von Schutzzielen sowie dem Beitrag von nachhaltiger Landnutzung und räumlicher Planung zur Erreichung des Biodiversitätsziels.

Prof. Dr. Arthur Benz präsentierte die Zwischenergebnisse des von ihm geleiteten Arbeitskreises „Neugliederung des Bundesgebietes oder Kooperation der Bundesländer“. Er stellte die Möglichkeiten und Risiken von Länderfusionen aus unterschiedlichen Perspektiven dar, zeigte Zusammenhänge zu einer zeitgemäßen Föderalismuspolitik auf und fragte, ob sektorale Kooperationen zwischen Bundesländern eine Alternative sein können.

Den Abschluss der fachlichen Auseinandersetzung bildeten die „Leitbilder und Handlungsstrategien für die Raumentwicklung in Deutschland 2013“. Hintergrund der Diskussion ist der Entwurf der Ministerkonferenz für Raumordnung (MKRO) vom Juni 2013. Das Präsidium der ARL hat zu diesem Zweck einen Ad-hoc-Arbeitskreis unter der Leitung von Markus Hesse eingerichtet, aus dessen Arbeit Prof. Dr. Christina von Haaren berichtete. Das Thema stieß auf lebhaftes Interesse. Die vorgebrachten Kommentare und Vorschläge werden in die Stellungnahme des Ad-hoc-Arbeitskreises eingearbeitet und der Ministerkonferenz zugeleitet.

Gespräch mit älteren Akademiemitgliedern

Der Mitgliederversammlung ging das traditionelle Gespräch des Präsidiums mit den älteren Akademiemitgliedern voraus. Rund 30 Mitglieder waren der Einladung gefolgt und diskutierten mit Prof. Dr. Achim Hahn (Technische Universität Dresden) und Prof. Dr. Thorsten Wiechmann (Technische Universität Dortmund) über den Zusammenhang von Ethik und räumlicher Planung. Die in diesem Gespräch gesammelten Anregungen sollen im Rahmen von drei Workshops zur Vorbereitung des Arbeitsprogramms der ARL für die Jahre 2015/2016 aufgegriffen werden.