05.01.2013 Andreas Klee

85. Mitgliederversammlung der ARL in Münster

Am 8. und 9. November 2012 trafen sich die Mitglieder der ARL zu ihrer jährlichen Versammlung. Im Rathaus am Prinzipalmarkt in Münster konnte Dr. Bernhard Heinrichs, Präsident der ARL, rund 65 Akademiemitglieder begrüßen.

Zuwahl von Mitgliedern

Wie üblich, standen die Berichterstattung des Präsidenten über die im vergangenen Jahr durchgeführten Vorhaben (Arbeitsgremien, Veranstaltungen, Beratungsleistungen) sowie strategische Überlegungen und Beschlüsse auf der Tagesordnung. Zudem wurden zwei Persönlichkeiten zu neuen Akademiemitgliedern gewählt, ein Mitglied wurde wiedergewählt. Mit großer Mehrheit wurde das Präsidium für die Amtszeit 2013/2014 gewählt (Präsident: Prof. Dr. Klaus J. Beckmann; Vizepräsidentin und Vizepräsidenten: Prof. Dr. Sabine Hofmeister, Dr. Bernhard Heinrichs, Prof. Dr. Rolf-Dieter Postlep). Hierüber wurde bereits in Heft 4/2012 der ARL-Nachrichten berichtet.

Die Mitglieder diskutierten darüber hinaus grundsätzliche Aspekte der Zuwahl von Mitgliedern der ARL. Das Präsidium hatte zuvor die Kriterien für die Zuwahl mit dem Wissenschaftlichen Beirat und dem Zuwahlausschuss geprüft. Es hat sich für eine neue Gewichtung der Kriterien dahingehend ausgesprochen, dass künftig das Kriterium „fachliche Qualifikation“, das sich sowohl auf wissenschaftliche Exzellenz als auch auf Exzellenz in der Praxis bezieht, einen klaren Vorrang erhält. Aber auch das bisherige und das zu erwartende Engagement in der und für die ARL soll weiterhin ein wichtiges Kriterium sein. Die Akademiemitglieder begrüßten die Neugewichtung sowie die dabei zugrunde liegenden Kriterien der Exzellenz in Wissenschaft und Praxis. Sie gaben dem Präsidium noch zahlreiche Anregungen und baten darum, dass die Kriterien auch in weiteren Organen und Einrichtungen der ARL diskutiert werden.

Vorstellung der Ergebnisse von Arbeitskreisen

In parallelen Sitzungen wurden die Ergebnisse von drei Arbeitskreisen vorgestellt und diskutiert, die in jüngster Zeit abgeschlossen wurden oder in naher Zukunft beendet sein werden.

Prof. Dr. Paul Gans (Universität Mannheim) referierte über den Arbeitskreis „Räumliche Auswirkungen der internationalen Migration“. Er stellte das Arbeitsprogramm, die Mitwirkenden und die bearbeiteten Themen vor. Die Ziele des Arbeitskreises lagen hauptsächlich in der Analyse der Einflüsse der internationalen Migration in Abhängigkeit von unterschiedlichen gesellschaftlichen und räumlichen Bedingungen, in der Erfassung der räumlichen Auswirkungen der Migration sowie in der Analyse von Migrationspolitiken und verschiedenen Integrationsstrategien. Nach Gans‘ Vortrag fand eine intensive Diskussion statt, bei der die einzelnen Beiträge gewürdigt, aber auch Desiderata für den Ergebnisbericht oder gegebenenfalls für weitere Forschungen vorgebracht wurden. So könnten künftig die ländlichen Räume als Wanderungsziele von Migranten sowie die Einwanderungspolitik der Bundesrepublik untersucht werden. Des Weiteren wäre eine Analyse der Quellgebiete der Migranten wichtig, da die Ursachen für Wanderungsbewegungen in den Herkunftsgebieten liegen.

Prof. Dr. Wilfried Erbguth (Universität Rostock) stellte den Ergebnisbericht „Maritime Raumordnung – Interessenlage, Rechtslage, Praxis, Fortentwicklung“ des gleichnamigen Arbeitskreises vor. Der Arbeitskreis hatte sich drei fachliche Schwerpunkte gesetzt, die von jeweils einer Gruppe bearbeitet wurden: „Recht und raumordnerische Aufgaben“, „Meeresnutzungen und Wirtschaft“ sowie „Fachliche Aufgaben, insbesondere Umweltschutz“. Im Ergebnis wurden zahlreiche Empfehlungen formuliert, die zu einem guten Teil an das nationale Raumordnungsrecht adressiert sind. Hierzu gehören beispielsweise die Forderung einer verstärkten Berücksichtigung der maritimen Raumordnung im Raumordnungsgesetz, des Einsatzes von Vorranggebieten, auch für die Bereiche Umwelt und Fischerei, und einer verstärkt konsultativen Zusammenarbeit mit den Nachbarstaaten, um den europäischen Anforderungen der territorialen Kohäsion zu genügen. Die Akademiemitglieder würdigten die Untersuchungen des Arbeitskreises und begrüßten die Einschätzungen und Bestrebungen, die raumordnerischen Aufgaben im maritimen Bereich nicht durch fachgesetzliche Kompetenzen wahrnehmen zu lassen – eine Forderung, die auch für die terrestrische Raumordnung gilt, bei der die „Gefahr“ zunimmt, dass überfachliche raumordnerische Aufgaben durch Bund und Länder zu fachlichen erklärt werden.

Im Arbeitskreis „Städte und Regionen im Standortwettbewerb: Neue Tendenzen, Auswirkungen und Folgerungen für die Politik“ wurde über neue Entwicklungen im Standortwettbewerb geforscht und diskutiert. Mit diesem Arbeitskreis wurde von der ARL erstmals eine zusammenfassende Bearbeitung der unterschiedlichen Aspekte, Ausprägungen und Effekte der neueren Tendenzen des Standortwettbewerbs geleistet. Prof. Dr. Martin T. W. Rosenfeld (Institut für Wirtschaftsforschung Halle) stellte die Ergebnisse des Gremiums vor. Wesentlicher Bestandteil der Untersuchungen waren Analysen von Fallbeispielen, beispielsweise in den Städten/Regionen Bonn, Eifel, Hamburg und Linz (Oberösterreich). Anhand der Fallbeispiele hat der Arbeitskreis Schlussfolgerungen für die Bewertung des Standortwettbewerbs gezogen, die Rolle von ökonomischen Clustern sowie Clusterpolitiken verschiedener Ebenen untersucht, den Stellenwert von „Kreativität“ hinterfragt und die Aufgaben der Raumordnungspolitik zur Förderung von Innovationen und ökonomischen Rahmenbedingungen umrissen.

Energiewende

Dieses Thema, insbesondere in seinen räumlichen Dimensionen, ist auch für die Arbeit der ARL immer wichtiger geworden. Heinrichs legte dar, dass in den letzten Monaten räumliche Fragen der Energieerzeugung und -versorgung zu einem Forschungsschwerpunkt ausgebaut worden sind. Und in Kürze wird die ARL mit der Ausarbeitung eines Leitfadens für die Planung von Energietrassen beginnen. Aus drei laufenden Gremien wurde berichtet:

Prof. Dr. Britta Klagge (Universität Bonn) berichtete über die Ergebnisse der von ihr geleiteten Arbeitsgruppe „Governance-Prozesse für erneuerbare Energien“ der LAG Bremen/Hamburg/Niedersachsen/Schleswig-Holstein. Sie stellte die Ziele der Arbeitsgruppe vor, erläuterte die politischen Ziele beim Ausbau erneuerbarer Energien, dokumentierte einige Beispiele des Ausbaus erneuerbarer Energien und formulierte Handlungsempfehlungen.

Walter Kufeld (Regierung von Oberbayern in München) berichtete über die Ergebnisse der von ihm geleiteten Arbeitsgruppe „Klimawandel und Nutzung regenerativer Energien als Herausforderungen für die Raumordnung“ der LAG Bayern. Er ging auf die zentralen Fragen der Arbeitsgruppe, auf die Kernergebnisse, auf zentrale Botschaften, die an Politik und räumliche Planung adressiert sind, sowie auf die bereits erarbeiteten und als „Positionspapier aus der ARL“ Nr. 90 veröffentlichten „Zugspitz-Thesen“ ein.

Schließlich stellte Prof. Dr. Jochen Monstadt (Technische Universität Darmstadt), Leiter des Arbeitskreises „Räumliche Politik und Planung für die Energiewende“, Ziele und vorgesehene Inhalte des Gremiums vor.

Beim gemeinsamen Abendessen im Ratsweinkeller der Stadt Münster hatten die Akademiemitglieder Gelegenheit, sich über die zahlreichen aktuellen Forschungs- und Beratungsaktivitäten der ARL auszutauschen und die Mitgliederversammlung ausklingen zu lassen.