Tagung 2012 des Jungen Forums der ARL: Raumentwicklung 3.0 – Gemeinsam die Zukunft der räumlichen Planung gestalten

06.06.2012 ( 14:00 ) - 08.06.2012 ( 15:00 )
Hannover

Die Tagung 2012 des Jungen Forums der ARL fand vom 6. bis 8. Juni 2012 in Hannover statt.

Planen wir zeitgemäß?

Jahrestagung des Jungen Forums der ARL

„Raumentwicklung 3.0 – Gemeinsam die Zukunft der räumlichen Planung gestalten“ lautete das Thema der Jahrestagung des Jungen Forums vom 6. bis 8. Juni 2012 in Hannover. Rund 60 Mitglieder hatten sich eingefunden und diskutierten im Kommunikationszentrum Pavillon in vier thematischen Arbeitsgruppen Aspekte zukünftiger Raumentwicklung. Einig waren sich alle darüber, dass Raumplanung notwendig ist – mehr denn je! Die Herausforderungen der Energiewende, des Klimawandels und des demografischen Wandels sind hierbei wichtige Handlungsbereiche. Als bedeutendste Maßnahmen, um den Herausforderungen zu begegnen, wurden die Beteiligung der Bevölkerung und der Einsatz neuer technologischer Umsetzungsmöglichkeiten diskutiert.

Zur Eröffnung wurde das diesjährige Organisationsteam vorgestellt: Dipl.-Ing. Peter Müller, Sara Reimann, M. Sc., und Dipl.-Geogr. Timm Wiegand aus der Geschäftsstelle der ARL, Dipl.-Ing. Maike Levin-Keitel, Dipl.-Geogr. Martin Sondermann, Dipl.-Ing. Katja Stock und Dipl.-Ing. Friederike Maus von der Leibniz Universität Hannover sowie Dr. Patrick Küpper vom Johann Heinrich von Thünen-Institut in Braunschweig hatten die jährlich stattfindende Tagung vorbereitet.

In seinem Begrüßungsvortrag setzte sich Prof. Dr.-Ing. Dietmar Scholich, Generalsekretär der ARL, mit dem aktuellen Stand, den vielfältigen Herausforderungen und den Perspektiven der Raumplanung auseinander. Auch die folgenden Beiträge sowie die Diskussionen in den Arbeitsgruppen beschäftigten sich mit Lösungsvorschlägen zu den von Scholich benannten Herausforderungen.

Anschließend wurde in drei Keynote-Vorträgen ein thematischer Ausblick in aktuelle Forschungsthemen und handlungsrelevante Bereiche der Planungspraxis gegeben:

Prof. Dr.-Ing. Uwe Altrock, Universität Kassel, widmete sich dem Wandel der Instrumente in der Planung. Anhand abwechslungsreicher Beispiele identifizierte er Kunst, Architektur und Grünflächengestaltung als zentrale Elemente der Raumgestaltung und Planung.

Dr. Sandra Huning von der Technischen Universität Dortmund nahm Bezug auf soziologische Aspekte der räumlichen Planung. Ausgehend von der Frage „Wer plant für wen?“ machte sie deutlich, dass Planung sowohl genderspezifisch als auch ethnienspezifisch stattfinden muss.

Dr.-Ing. Klaus Habermann-Nieße vom Architektur- und Stadtplanungsbüro „planzwei“ in Hannover ergänzte die bisherigen Aspekte um weitere Praxisbeispiele. Er sprach über aktivierende Bürgerbeteiligung in der Stadt- und Raumentwicklung und nannte dabei Beispiele wie das „Guerilla gardening“, die Aufstellung von Aktionscontainern für Jugendliche in Berlin und die Gründung eines Mehrgenerationenhauses in Düsseldorf. Außerdem thematisierte er den Prozess der Erstellung eines neuen regionalen Raumordnungsprogramms der Region Hannover, der von einer aufwendigen onlinegestützten Bürgerbeteiligung begleitet wird.

Nach diesen ersten Vorträgen, die Facetten des Tagungsthemas umrissen und gezieltes Interesse weckten, schloss der erste Tag der Veranstaltung mit einer Diskussion der angesprochenen Fragen. Am Abend trafen sich die Teilnehmenden zu einem gemeinsamen Abendessen in der hannoverschen Innenstadt.

Diskussionen in den Arbeitsgruppen

Zusätzlich motiviert von den Keynote-Vorträgen kamen die Teilnehmer am zweiten Tag im Kommunikationszentrum Pavillon am Raschplatz in vier themenspezifischen Arbeitsgruppen zusammen.

DieArbeitsgruppe„Virtuelle Räume“beschäftigte sich mitder Bedeutung der modernen Informationstechnologien in der Regional- und Stadtplanung. Die Vorteile für eine räumliche Informationsverteilung und die Organisation von Abläufen, z. B. für die medizinische Versorgung in ländlichen Räumen, sind nicht von der Hand zu weisen. Vieles geht schneller und einfacher mithilfe einer nahezu barrierefreien Kommunikation über das Internet. Dennoch warf die Gruppe einige Fragen auf: Kann politische Aktivität auch im Netz stattfinden? Und bleibt nicht der zwischenmenschliche Kontakt auf der Strecke? – Ein Beispiel aus Manchester zeigte das Gegenteil. Dort existiert eine Internetplattform für junge Unternehmer, über die sich die Mitglieder zu geschäftlichen Treffen in der „realen Welt“ verabreden. Als weitere Beispiele der wachsenden Relevanz virtueller Räume wurden die Einflüsse auf den Einzelhandel und das Gesundheitswesen diskutiert.

Die ArbeitsgruppeRäumliche Planung im (Werte-)Wandeldiskutierte die Frage, ob sich die Raumplanung schon auf dem Weg in die Zukunft befinde. Ein Aspekt der räumlichen Betrachtung waren die Metropolregionen. Die Teilnehmenden stellten fest, dass deren effektive Steuerung eine Schwierigkeit darstellt.

Ein weiterer Fokus wurde auf unternehmerisches Engagement in der Raumentwicklung gelegt. Man diskutierte aktuelle Entwicklungen und Perspektiven, insbesondere die spannende Frage, ob es bei fortschreitender Privatisierung der Raumplanung auch eine private Verantwortung für den Raum im Sinne einer „Corporate Spatial Responsibility“ gebe.

DieArbeitsgruppe Perspektiven der Partizipationsetzte sich mit der Relevanz von Bürgerbeteiligung in der Raumplanung auseinander. Gegenstand der Debatte waren u. a. Methoden wie der „Runde Tisch“, „Mediation“ und „Vor-Ort-Interventionen“. Die Gruppe sprach sich für das Konzept der „Lernenden Region“ aus, das davon ausgeht, dass Bürgerinnen und Bürger Beteiligung erst erlernen und die Planerinnen und Planer Vertrauen aufbauen müssen. Nur durch Übung und kontinuierliche Interaktion zwischen beiden beteiligten Seiten kann erreicht werden, dass sich Bürgerinnen und Bürger aktiv in den Planungsprozess einbringen.

Um „Klimawandel, Energiewende und Ökosystemdienstleistungen“ging es in der dritten Arbeitsgruppe, die ökologische Herausforderungen und die Steuerungsfunktion der Raumplanung diskutierte. Grundsätzlich wurde hier die Bedeutung des Planers / der Planerin als aktivierender Faktor in den unterschiedlichsten Handlungsfeldern herausgestellt. Die Gruppe ging auch der Frage nach, wie Ökosystemdienstleistungen in die Landschaftsplanung mit einbezogen werden können, um den Nutzen von Ökosystemen für den Menschen stärker zu verdeutlichen. Außerdem wurde das Projekt „dynaklim“ als praktisches Beispiel für die Anpassung regionaler Planungs- und Entwicklungsprozesse an die Herausforderungen des Klimawandels vorgestellt.

Am Donnerstagnachmittag führten fachlich begleitete Exkursionen auf dem Fahrrad oder zu Fuß durch verschiedene Stadtteile Hannovers. Inhaltlich ging es bei den Touren um „Brachen in der Stadt“, „Konflikte der Stadtentwicklung“, „Hochwasserproblematik in der Stadt“ und „Denkmalschutz in historischen Gartenanlagen“.

Am letzten Tag wurden die Ergebnisse der Arbeitsgruppen in einem Wandelgang präsentiert und zur Diskussion gestellt. Nach einem gemeinsamen Mittagessen, bei dem Hanne Bangert vom Pavillon Hannover eine Dinner Speech zur Geschichte des Kommunikationszentrums hielt, sprachen Prof. Dr. Dietrich Fürst, Hannover, und Prof. Dr. Axel Priebs, Dezernent der Region Hannover, über Zukunftsaussichten der Raumplanung. Während sich Fürst dem Einfluss der Regionalplanung auf die Raumplanung widmete, nahm Priebs Bezug auf das Wechselspiel von Deregulierung und öffentlichem Gestaltungsanspruch. In einem Punkt waren sich beide einig: Raum- und Regionalplanung müssen sich an neue Umweltbedingungen anpassen und können nur bei ständiger Selbstreflexion und Evaluation der angewendeten Konzepte und Instrumente erfolgreich sein.

Zum Abschluss der Tagung reichte Dietmar Scholich den Staffelstab an die Vertreter des Organisationsteams des Jungen Forums 2013 weiter. Stellvertretend für das Vorbereitungsteam aus Kaiserslautern äußerte Dipl.-Ing. Martina Hengst, Technische Universität Kaiserslautern, den Wunsch, viele Mitglieder des Jungen Forums auch im nächsten Jahr wieder begrüßen zu können.

Maike Schlote
Timm Wiegand