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Räumliche Planung, raumbezogene Politik

Wandel der Gesellschaft, Wandel der Planung

Die Gesellschaft ist kein statisches System, sondern befindet sich in einem permanenten strukturellen Veränderungsprozess. Dies zeigt sich z.B. in veränderten Wertvorstellungen, einem veränderten Demokratieverständnis und in neuen räumlich-gesellschaftlichen Identifikationen. Mittel- bis langfristig beeinflussen solche Veränderungen auch die staatlichen Organisations- und Handlungsabläufe und seiner Planungsinstitutionen – nicht nur im Bereich der Raumentwicklung. Dies hat erhebliche Konsequenzen für die Aufgabenwahrnehmung der Planung und ihrer Legitimationsbasis.

Einfluss der Europäischen Union

Neben gesellschaftlichen Veränderungen stellt auch die Verlagerung von Steuerungskompetenzen auf übergeordnete staatliche Ebenen eine Herausforderung für die Raumplanung dar. Alle Politikfelder der EU haben mehr oder minder räumliche Auswirkungen. Die Kohäsionspolitik, die gemeinsame Agrarpolitik und die Politik zur Entwicklung des ländlichen Raums, die Umweltpolitik und die Verkehrspolitik haben Auswirkungen, die direkt vor Ort, in den Gemeinden spürbar werden und oft nur bestimmte Gebiete berühren. Damit leisten sie mehr oder weniger bewusst einer Ungleichbehandlung der Gebiete Vorschub. Die räumlichen Auswirkungen in den Politikfeldern Energie, Fischereiwesen, Meerespolitik, Binnenmarkt und Wettbewerb sind zwar weniger offensichtlich, aber auch sie manifestieren sich mittelbar im Raum. All diese Politikbereiche sind deswegen für den territorialen Zusammenhalt der EU als Ganzes, aber auch ihrer Teile von großer Bedeutung.

Interdisziplinärer Forschungsansatz nötig

Im Forschungsfeld 4 befassen sich ARL-Gremien mit solchen die Raumentwicklung beeinflussenden Veränderungsprozessen, analysieren diese und ziehen daraus Rückschlüsse, die in die Beratung der Raumpolitik und in die strategische Entscheidungsfindung der Planungsverwaltungen einfließen. Staatliches Handeln und räumliche Planung erfordern eine disziplinübergreifende Betrachtung. Deshalb stehen die Themen des Forschungsfeldes in enger Wechselbeziehung zu den Themen der anderen Forschungsfelder, können aus dort gewonnenen Erkenntnissen schöpfen oder Forschungsergebnisse in andere Programmbereiche einspeisen. Dabei ist es wichtig, verschiedene Planungsebenen, von der EU bis hin zu der Stadtentwicklungsplanung, zu betrachten. Folgende Aspekte sind hierbei von Bedeutung:  Steuerungsmechanismen, Governance-Strukturen, die strategische Ausrichtung von Raumtypen und die Methoden und das Instrumentarium der Planung.

Planung und Legitimität

Planung erfolgt nicht mehr länger allein durch den Staat, sondern zunehmend gemeinsam mit privaten Akteuren in Public Private Partnerships. Dadurch werden neue Legitimitäts- und Steuerungsfragen aufgeworfen. Zum Beispiel: Welche Aufgabenteilung ist sinnvoll und welche Aufgaben bedürfen überhaupt der öffentlichen Steuerung?