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Bevölkerung, Sozialstruktur, Siedlungsstruktur

Räumliche Auswirkungen der sozialen Entwicklung

Die räumlichen Konsequenzen gesellschaftlichen Handelns stellen einen zentralen Aufgabenbereich der Raumwissenschaft und Raumplanung dar. Im Vordergrund stehen hierbei die häufig konfligierenden Ansprüche unterschiedlicher Gruppen, Institutionen und Akteure der Gesellschaft an – vielfach knappe – räumliche Ressourcen.
Wie in anderen entwickelten Gesellschaften, nehmen soziale Ungleichheit und kulturelle Differenz auch in Westeuropa und Deutschland bereits seit längerem wieder zu. Dieser Prozess wird durch die Ausbildung unterschiedlicher Lebensstile in der Gesamtbevölkerung noch verstärkt. An die Stelle übergreifender Wertvorstellungen, Normen und Lebenseinstellungen tritt in der postindustriellen Gesellschaft zunehmend ein Patchwork verschiedener Lebensstile. Die Pluralisierung der Lebensformen verlangt nach einer Pluralisierung der Siedlungs- und Wohnformen.

Regional gespaltene demographische Entwicklung als besondere Herausforderung

Die demographische Entwicklung ist in räumlicher Hinsicht durch ein Mosaik wachsender, stagnierender oder schrumpfender Teilgebiete gekennzeichnet. Immer häufiger grenzen Gebiete sehr unterschiedlicher Dynamik direkt aneinander. Prognoseergebnisse verdeutlichen, dass die demographische Entwicklungsdynamik noch jahrzehntelang regional gespalten verlaufen wird. Dies stellt hohe Anforderungen an die Planung. Die regionalen Verteilungskämpfe um demographische Potenziale werden auf allen räumlichen Ebenen weiter an Bedeutung gewinnen. Zuwanderungen werden die interregionalen Ungleichgewichte noch verstärken.

Handlungsschwerpunkt Großstadtregionen

Im Hinblick auf die Herausbildung neuer Ungleichheitsstrukturen, die mit Begriffen wie Dualisierung, Exklusion oder sozialräumliche Spaltung beschrieben werden, stehen die Großstadtregionen und vor allem ihre Innenstadtbereiche im Mittelpunkt des Interesses von raumbezogener Forschung, Planung und Politik. Im Wesentlichen geht es um die Konzentration von benachteiligten Bevölkerungsgruppen in Quartieren mit wirtschaftlichen, sozialen und städtebaulichen Problemen, die ein Entkommen aus dem Milieu der Benachteiligung immer unwahrscheinlicher machen. Die Frage gleichwertiger Lebensverhältnisse wird von daher auf der Agenda der räumlichen Planung und Politik auch weiterhin oben stehen.

Bevölkerung, Sozialstruktur, Siedlungsstruktur in der ARL

Im Schwerpunkt der mittel- und längerfristigen Tätigkeit der ARL (Orientierungsrahmen 2010-2020) in diesem Forschungsfeld stehen die Themen Räumliche Auswirkungen der internationalen Migration, Konsequenzen und Handlungsanforderungen der sozialen Polarisation in den Städten, Entwicklung der ländlichen Räume, räumliche Auswirkungen/raumplanerischer Handlungsbedarf unterschiedlicher Strukturen des Gesundheitswesens und der Lebensverhältnisse der Bevölkerung, sozialräumliche Auswirkungen veränderter Zeitstrukturen, regionale Auswirkungen wachsender multilokaler Lebensführung und Sicherung der regionalen Daseinsvorsorge.