Für die Raumordnung ist die Welt bislang eine Scheibe. Es wird im Wesentlichen in zwei Dimensionen geplant. Allerdings werden neue Nutzungsoptionen im Untergrund zunehmend interessant, denn angesichts der Klimaprobleme ist der Deponieraum für CO2 in der Atmosphäre ausgereizt. Kohlendioxyd muss der Atmosphäre entzogen, d. h. abgesondert und im Untergrund dauerhaft gespeichert werden (Carbon Capture and Storage – CCS). Schätzungen zufolge verfügt Deutschland über ein Speicherpotenzial in der Größenordnung von ca. 2,75 Mrd. t in erschöpften Gasfeldern, ca. 0,13 Mrd. t in erschöpften Ölfeldern und ca. 20 Mrd. t in tiefliegenden salinen Aquiferen. Im Vergleich dazu betragen die jährlichen CO2-Emissionen ca. 0,85 Mrd. t, davon ca. 0,35 Mrd. t aus Kohlekraftwerken (großen Punktquellen). Eine EU-Richtlinie verlangt nationale Speichergesetze bis zum Juni 2011. Deutschland hat bislang noch kein CCS-Gesetz, nur Entwürfe. Die Landesregierungen in Niedersachsen und Schleswig-Holstein lehnen CCS in ihren Ländern ab und fordern Länder-Klauseln im Gesetz. Der Gesetzesentwurf fand im Bundesrat keine Mehrheit. Das Gesetz wurde gestoppt. Die potenziellen Speichergebiete in Deutschland befinden sich ganz überwiegend im Norden.
Zudem wird der bislang wichtigste Primärenergieträger (Erdöl) knapper, der Peak Oil ist überschritten, sodass die Energiewende eingeläutet worden ist. Neue Energiequellen sind bereits erschlossen worden, allen voran die Wind- und Sonnenenergie, die Energie aus Biomasse und die Geothermie. Letztere ist eine grundlastfähige Energieform. Die norddeutsche Tiefebene bietet günstige Voraussetzungen. Zur Erschließung können sogenannte Enhanced Geothermal Systems (EGS) zum Einsatz kommen, bei denen Ingenieurmaßnahmen eingesetzt werden müssen, um die vorgefundenen natürlichen Gegebenheiten zu optimieren. Mögliche Konflikte durch Geothermie können durch Tiefbohrungen in CCS-Speichergebieten und infolge davon durch seismische Störungen entstehen. So musste 2009 in Basel eine Geothermie-Erkundung nach Erdstößen und einer seismischen Risikoanalyse eingestellt werden.
Für regenerative Energien ist die Möglichkeit der Speicherung wichtig. Dafür eignen sich unterirdische Pumpspeicher und Kavernenspeicher. Für die Errichtung von untertägigen Pumpspeicherkraftwerken eignen sich die Bergbauregionen in Deutschland, indem z. B. für die Windenergiespeicherung stillgelegte Bergwerke genutzt werden. Kavernen werden bereits heute in größerem Umfang zur Zwischenspeicherung von Energiereserven (insbesondere Öl und Gas) herangezogen, gerade auch in Norddeutschland.
Vor diesem Hintergrund hat die LAG für die nordwestdeutschen Länder nach intensiven Beratungen eine neue Arbeitsgruppe (AG) eingesetzt, denn es müssen für zahlreiche offene Fragen Antworten gefunden werden, z. B.: Wie groß ist derzeit der Koordinierungsbedarf? Wie geht die Entwicklung bei der Nutzung im Untergrund weiter? Wie weit könnte/müsste die Raumplanung in den Untergrund reichen? Sollte sie sich auf oberirdische Phänomene beschränken? Ist Raumplanung angesichts des begrenzten Wissens über die Nutzbarkeit des Untergrundes sinnvoll? Wer bzw. welche Behörden verfügen über das erforderliche Fachwissen für Planung im Untergrund? Zu diesen und anderen grundsätzlichen Fragestellungen hinsichtlich der Bedeutung und weiteren Entwicklung von Nutzungen des Untergrundes, deren Auswirkungen sowie eines möglichen Steuerungs- und Koordinierungsbedarfs seitens der räumlichen Planung wird sich die AG positionieren.