International Summer School 2012 / Internationale Sommerschule 2012

: Andreas Klee

Multikulturalität in der Raumentwicklung

Die internationale Migration in die Europäische Union und auch innerhalb ihrer Grenzen wird in Zukunft eine der großen gesellschaftlichen und politischen Herausforderungen darstellen. „Alte“ wie „neue“ Zuwanderungs- bzw. Transitländer sind (zum Teil plötzlich) mit Fragen der Integration und sozialen Inklusion konfrontiert, die vor Ort und in den Regionen oftmals enge Interdependenzen mit sozialen und ökonomischen Problemen aufweisen.

Zugleich üben internationale Wanderungen als Staatsgrenzen überschreitende Wohnsitzverlagerungen seit Langem einen erheblichen Einfluss auf die Raum- und Siedlungsentwicklung in Deutschland und Europa aus. Sie führen zu einer fortschreitenden Heterogenisierung der Gesellschaft und zu wachsenden Anforderungen an die sozialräumliche Integration. Internationale Migration und Integration stellen vor allem urbane Phänomene dar, deren Auswirkungen städtische Teilgebiete betreffen. In erster Linie werden hiervon die Kernzonen der großen Metropolregionen, aber auch andere großstädtische Agglomerationsräume betroffen sein. In raumstruktureller Hinsicht werden die interregionalen Disparitäten verstärkt.

Die Formen grenzüberschreitender Migration unterliegen starken Wandlungen. So lässt sich eine zunehmende Diversität der Wanderungsprozesse und eine Auflösung starrer Muster der Wanderungsverflechtungen zwischen Herkunfts- und Zielländern feststellen. Auch die räumlichen Verteilungsmuster der neueren internationalen Migration weisen eine größere Variationsbreite auf. Und schließlich stellen die „Migrantinnen und Migranten“ bzw. die „Menschen mit Migrationshintergrund“ keineswegs eine einheitliche soziale Gruppe dar; es handelt sich vielmehr um eine äußerst heterogene und facettenreiche Gruppe von Menschen mit sehr unterschiedlichen Migrationserfahrungen und Integrationsvoraussetzungen.

Es wird immer deutlicher, welche Herausforderungen sich für eine nachhaltige soziale Entwicklung ergeben. Da in der Vergangenheit zu wenig für Integration getan wurde, wirken sich zu geringe Sprachkenntnisse, unzureichende Bildung, fehlende Fachkräfte und angespannte Sozialsysteme längst massiv auf die sozioökonomische und sozialräumliche Entwicklung der Städte und Regionen aus.

Nachhaltige soziale Entwicklung

Als Folge langjähriger selektiver Wanderungsprozesse leben gerade Migrantinnen und Migranten mit besonders ungünstigen Voraussetzungen für Integration und Teilhabe – in Bezug auf Bildung, Sprache und Kontaktmöglichkeiten – überwiegend in sozial benachteiligten Wohnquartieren mit den städtebaulich und wirtschaftlich schwierigsten Rahmenbedingungen. Es besteht die Gefahr, dass sich soziale Ungleichheit im Zuge eines kumulativen Filtering-down-Prozesses in sozialräumliche Segregation umsetzt.

Wenn die ethnische Wohnsegregation im Quartier mit einer wirtschaftlichen und damit auch sozialen Segregation einhergeht, entstehen besondere Problemlagen bzw. Integrationsanforderungen. Für diese Stadtquartiere, in denen die Konzentration von Migrantinnen und Migranten oftmals sehr hoch ist und teilweise der weitaus größte Teil der Kinder und Jugendlichen einen Migrationshintergrund aufweisen, sind sozial, kulturell und räumlich angepasste Integrationsstrategien zu entwickeln. Die neueren Formen der Migrations- und Integrationspolitik setzen hierbei auf die Anerkennung und bewusste bzw. gezielte Förderung von Diversität. Gleichzeitig gewinnen Konzepte der Inter- oder Transkulturalität und die damit verbundenen Vorstellungen von Mehrfachintegration über Transnationalität oder Transethnizität an Bedeutung. Ergänzend hierzu sind im Rahmen einer integrativen Stadt(teil)entwicklungspolitik Maßnahmen zur Verbesserung der Stadtstruktur und der Bebauung, zur Revitalisierung des Wohnumfeldes, im Bereich der Jugend- und Bildungspolitik, der Gesundheitsförderung, zur Stärkung der lokalen Ökonomie und generell zur Aktivierung der Einwohner zu erarbeiten. Eine besondere (integrative) Rolle spielen darüber hinaus Beratung und Betreuung im Quartier (Quartiersmanagement) sowie Partizipation und bürgerschaftliches Engagement.

Bei der International Summer School „Multikulturalität in der Raumentwicklung“, gemeinsam veranstaltet von der Akademie für Raumforschung und Landesplanung (ARL) und der Slowakischen Technischen Universität in Bratislava, sollen Fragen der räumlichen Implikationen von Zuwanderung und Integration vor dem Hintergrund multikultureller Handlungsansätze und -perspektiven vertieft diskutiert werden.

Zielgruppe

Die Summer School richtet sich an sehr qualifizierte und förderungswürdige Doktoranden und junge Praktiker aus Deutschland und dem europäischen Ausland. Im Vordergrund steht der akademische Diskurs zu gemeinsamen raumrelevanten Themen im Bereich „Multikulturalität in der Raumentwicklung“. Hierzu referieren Professoren, Doktoranden und junge Praktiker. Die Teilnehmer an der Summer School erhalten Gelegenheit, Hypothesen und/oder Zwischenergebnisse ihrer Dissertationen sowie schwierige Aufgaben der Praxis mit renommierten Fachpersönlichkeiten im kleinen Kreis zu diskutieren.

Programm der Summer School

Die International Summer School findet vom 2. bis 5. September 2012 in Bratislava statt. Das Programm wird in englischer Sprache durchgeführt und umfasst folgende Punkte:

  • Impulsreferate zur historischen Entwicklung der Multikulturalität in der Region Bratislava-Wien und zu aktuellen Problemen der Multikulturalität in der Slowakei
  • Referate von Professorinnen und Professoren aus verschiedenen europäischen Ländern zu bedeutsamen raumrelevanten Fragen der Multikulturalität über unterschiedliche räumliche Ebenen und unterschiedliche nationale und regionale Gegebenheiten
  • Vertiefung ausgewählter Themen durch Vorträge von Doktoranden und jungen Praktikern
  • Fachliche Diskussionsrunden und Exkursion
  • Schlussfolgerungen im Rahmen einer Diskussion über die Entwicklung des Konzeptes der Multikulturalität einschließlich seiner räumlichen Implikationen

Bewerbung

An der Summer School nehmen Doktoranden der Technischen Universitäten Bratislava und Helsinki, der Universität Mannheim, der ETH Zürich sowie weiterer Hochschulen aus europäischen Ländern teil. Außerdem werden hiermit sechs Plätze für Doktoranden, Nachwuchswissenschaftler und junge Praktiker aus dem deutschsprachigen Raum ausgeschrieben.

Interessierte bewerben sich bis zum 28. Februar 2012 mit folgenden Unterlagen:

  • Kurzes Motivationsschreiben
  • Lebenslauf
  • Zusammenfassung ihres Dissertationsvorhabens, ihrer Forschungsarbeiten oder ihrer praktischen Aufgaben


Die Unterlagen sind einzureichen bei der Akademie für Raumforschung und Landesplanung, z. Hd. Dr. Andreas Klee, Hohenzollernstraße 11, 30161 Hannover, Deutschland, oder per E-Mail an klee@arl-net.de.

Das Höchstalter der Teilnehmenden beträgt 35 Jahre (Stichtag: 1. September 2012). Die Auswahl und Benachrichtigung der Teilnehmenden erfolgt voraussichtlich bis Ende März 2012.

Von den Teilnehmenden wird erwartet, dass sie bei der Summer School einen Vortrag über ihr Dissertationsthema oder über ein thematisch geeignetes Praxisthema halten und sich an den Diskussionen sowie an der Erarbeitung gemeinsamer Stellungnahmen beteiligen.

Die ARL und die Slowakische Technische Universität Bratislava übernehmen die Kosten für An- und Abreise nach Bratislava, Unterkunft und teilweise die Verpflegung vor Ort gemäß Bundesreisekostengesetz.

Für Rückfragen steht Dr. Andreas Klee zur Verfügung.